Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

Österreich und das mexikanische Freikorps 69 Detachement, sodaß nunmehr das gesamte Korps auf mexikanischem Boden stand19). Sein Effektivstand wird für Ende dieses Jahres mit 6545 Mann angegeben20). Die im Vertrag zugestandenen 300 Matrosen wurden nicht angeworben, da Maximilian niemals zur Errichtung einer eigenen mexi­kanischen Kriegsmarine gelangte. Anfangs hatte Maximilian gedacht, die Österreicher nach Yukatan, das sich für das Kaiserreich erklärt hatte, zu schicken, um dort die weiße Be­völkerung gegen Angriffe wilder Indianer zu schützen21). Doch wurde dieser Plan wegen näherliegender Gefahren nicht verwirklicht. Denn kaum war das erste Detachement angekommen, wurde es gegen Tesuitlan, von wo aus die Hauptstraße von Veracruz nach Mexiko bedroht wurde, ein­gesetzt. Major Kodolitsch erstürmte am 6. Februar diesen von einer numerischen Übermacht verteidigten Ort, welch glänzende Waffentat be­deutendes Aufsehen erregte. Auch in der ganzen Folgezeit operierte das Korps, das die Franzosen in dem Staat Puebla abgelöst hatte, meistens in dem diese Ebene nach Norden begrenzenden Gebirge22) und gegen die übrigen juaristischen Parteigänger in dem Gebiet zwischen der Haupt­stadt und Küste sowie dem südlich davon gelegenen Staate Oaxaca. Bei dieser ständigen Inanspruchnahme trat bald der Wunsch nach Ver­stärkung des Korps auf. Schon im Februar 1865 äußerte Maximilian gegenüber dem Gesandten Graf Thun den Wunsch, in Österreich ergän­zende Werbungen durchführen zu dürfen23). Dieses Ansinnen wurde zu­nächst von der österreichischen Regierung zurückgewiesen, da sie damals gegen das mexikanische Kaiserreich wegen eines in der offiziösen fran­zösischen in Mexiko erscheinenden Zeitung „l’ere nouvelle“ veröffentlich­ten österreichfeindlichen Artikels über die Zustände in Venedig verstimmt war24). Im Sommer dieses Jahres kam der Kaiser jedoch darauf zurück und sandte das Projekt einer Konvention für weitere mexikanische Wer­bungen an seinen Gesandten Gregorio de Barandiaran nach Wien25). Im weiteren Verlauf dieser Verhandlungen kam es am 15. März 1866 zu einem Abkommen, das für das mexikanische Kaiserreich das Recht vorsah, jähr­lich 2000 Mann in Österreich anwerben zu dürfen, um die Verluste des österreichischen Korps ständig aufzufüllen. Da es 1865 jedoch zu keiner derartigen Rekrutierung gekommen war, wurde für diesmal die doppelte Quote anzuwerben gestattet. Maximilian setzte große Hoffnungen auf diese Verstärkungen, da man damals daranging, eine eigene unabhängige 19) Thun an Mensdorff, 19. 5. 1865. HHStA, PA 34, 4. 20) Fuchsberger, a. a. O., S. 467. 21) Thun an Mensdorff, 11. 2. 1865. HHStA, PA 34, 4. 22) Siehe darüber Max Sehönowsky v. Schönwies, Aus den Gefechten des österreichischen Freikorps in Mexiko in Streffleurs Österr. milit. Zeitschrift. Jg. 1873, 2—4. 23) Thun an Mensdorff, 27. 2. 1865. HHStA. PA 34, 4. 24) Weisung an Thun, 10. 4. 1865. HHStA, PA 34, 4. 25) Thun an Mensdorff, 11. 7. 1865. HHStA, PA 34, 4.

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