Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
WINKELBAUER, Walter Franz: Von der Registratur zum Archiv. Die Entwicklung des Finanzarchivs (Archivs des Finanzministeriums) in Wien von 1829 bis 1892
494 Walter F. Winkelbauer archiven“ 9) („alte“ Akten — „alte“ Registratur), so war die Veranlassung nicht so sehr eine organisierte Trennung bereits weniger wichtiger Akten von den noch täglich gebrauchten, wie bei Hofkammer 1578 und Hofkriegsrat 1711 10), sondern ganz einfach krasseste Raumnot in Archiv und Registratur, „ ... täglich ertönt diese Klage von Seite der Direktoren und ihrer Adjunkten, die Platz für die heranrückenden Akten zu gewinnen wünschen“ I1). So sollte im Jahre 1829 das Archiv wieder 4550 Faszikel älterer Akten bis 1820 hinauf übernehmen — da gemäß Vorschrift die currente Registratur nur die letzten 10 Jahre zu umfassen hätte>2) — doch erklärte es sich dazu nur bei Zuweisung neuer Räume imstande. Die Hofkammer wollte die, im zweiten Stockwerk des, dem Archiv benachbarten, „sogenannten Niederländer-Gebäudes“ disponiblen Räume hierfür adaptieren lassen und veranlaßte das Nötige bei dem n.ö. Civil-Baudirektor Hatzinger 13). Die durch den Aktenzuwachs erforderlich werdende Personalvermehrung (!) hatte aus dem Stand des Registratur-Personals zu erfolgen 14). Doch der ganze schöne Plan verlief im Sande, ein mächtigerer Bewerber für die freien Räumlichkeiten war aufgetreten, denn „das dem Archiv zugedachte neue Lokale wurde der n.ö. Regierung eingeräumt“ 15). 9) Goldinger, a. a. O., 21. 10) Inventar des Kriegsarchivs Wien, Inventare österreichischer Archive VIII, 1.; Goldinger, a. a. O. 11) FA Reg. Nr. 68/1833, Denkschrift des Adjunkten Ferdinand Hoffmann vom Juli 1833; Protest der Archivs- und Reg.-Direktoren gegen die Übernahme der Akten der aufgelösten Einlösungs- und Tilgungs-Kommission. 12) FA 5493-Pr/1829; HKA Archiv-Verhandlungen (AV) 774/1829; vorher hatte das Oberstkämmereramt ein Ansuchen der Hofkammer um Überlassung einer erledigten Dienstwohnung auf dem Ballhausplatz, — ober dem sogenannten Hofkammer-Nebenarchiv, — für Archivzwecke wegen Eigenbedarfes abgelehnt (FA 4028 und 4249/1829). is) A. a. O., nach den Angaben des Reg. Dir. Dorfner berechnete er eine Belagfläche von 95 Qu. Klafter, bei der einer Faszikelgröße von 16 Zoll Höhe, 11 Zoll Breite u. 10 Zoll Dicke, — solche Ungetüme sind heute noch im Finanzarchiv, auch im HKA, größtenteils vorhanden —- mit einer Bausumme von 461 fl. 46 % +er. i4) a. a. O. is) Vermerk Dir. Mühlfelds auf Erlaß 5493, AV 774. Das Zurückstehenmüssen vor anderweitigem, natürlich dringendem, Raumbedarf mächtigerer Verwaltungsstellen als Stelle des geringsten Widerstandes ist dem Finanzarchiv bis in die jüngste Zeit herauf als vertrautes Schicksal treu geblieben. — An Stelle des „Niederländer-Gebäudes“ heute das Amt der n. ö. Landesregierung, ehern. Statthalterei, s. a) Franz de Ponty, Verzeichnis der in ... Wien ... befindlichen, numerirten Häusern ..., Wien 1779, S. 291, Nr. 22: k. k. Niederländische Kanzley, Nr. 23; N. Oest. Landschaftshaus, b) Grundriß der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien 1798, Nr. 29: Niederl. Kanzley, Nr. 30: N. Ö. Landhaus, e) Jos. v. H o r m a y r, Wien, seine Geschichte und Denkwürdigkeiten, II. Jg. 2. Bd., Wien 1824, Urkundenbuch CXVIII: Haus Nr. Nr. 29, Herrengasse, k. k. niederl. u. ital. Hofdepartements ... Ständ. Freyhaus. Nr. 30, N. Ö. Landhaus, d) Mathias Guetjahr, Vollständiges Verzeichnis aller ... in Wien befind-