Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
WINKELBAUER, Walter Franz: Von der Registratur zum Archiv. Die Entwicklung des Finanzarchivs (Archivs des Finanzministeriums) in Wien von 1829 bis 1892
Von der Registratur zum Archiv. Die Entwicklung des Finanzarchivs (Archivs des Finanzministeriums) in Wien von 1829 bis 1892. Von Walter F. Winkelbauer (Wien). Das Finanzarchiv bildet seit 1945 mit dem Hofkammerarchiv unter dem Namen „Finanz- und Hofkammerarchiv.“ eine Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs >)• Beide Archive, obschon der gleichen Wurzel entstammend, haben indes ihre eigene Individualität und auch eigenes Gewicht. Dies erklärt sich sowohl durch den verschiedenen Zeitpunkt ihrer Entstehung, wie auch aus der historischen Entwicklung der österreichischen Finanzverwaltung im 19. Jht. Diese historische Entwicklung, sowie die des österreichischen Archivwesens, ließ eben ein „Finanz- und Hofkammerarchiv“ entstehen — und nicht etwa nur ein „Hofkammerarchiv“ unter Einschluß der Bestände des Finanzarchivs, oder umgekehrt; beides wäre nicht möglich und ginge am Wesen dieser Archive vorbei. Diese bilden zwar eine administrative Einheit, die eben auch wegen ihrer gemeinsamen Wurzel angemessen und sinnvoll ist, ansonsten zeigt sich in dieser Einheit die durchaus nicht negativ zu wertende Verschiedenheit: Das Hofkammerarchiv, das älteste organisch gewachsene Archiv einer österreichischen Zentralstelle, und zwar der in jedem Staate wichtigsten, der Finanzverwaltung, stellt in seiner Geschlossenheit und Abgeschlossenheit sowie in der stilvollen und zeitgetreuen, dabei doch nicht so unzweckmäßigen Unterbringung im ersten Archivzweckbau Österreichs aus dem Jahre 1846 * 2), ein einzigartiges Denkmal zur österreichischen Geschichte dar, als ältere Schwester des Doppelarchivs die Archivschätze einer reichen Vergangenheit behütend, indes das Finanzarchiv hingegen als jüngere Schwester, sich fortentwickelnd mit der Gegenwart, mit seinen Beständen die Brücke bildet von der neuen über die neuere bis zur neuesten Geschichte Österreichs bezüglich dessen Finanzwesen, es lebt in der Geschichte — das Hofkammerarchiv steht in der Vergangenheit. Als Zeitpunkt, an dem das Hofkammerarchiv „wenn auch nicht nomi1) W. Goldinger, Geschichte des österr. Archivwesens, Mitteil. d. Österr. Staatsarchivs, Erg. Bd. V, Wien 1957, 54; W. Kraus, Zehn Jahre Österr. Staatsarchiv, Mitteil. d. Österr. Staatsarchivs 8, Wien 1955, 238 ff. 2) Fr. Walter, Inventar des Wiener Hofkammerarchivs, Publikationen des Österr. Staatsarchivs II, Inventare österreichischer Archive VII, XXVI.