Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

WAGNER, Walter: Die Bibliothek des Feldmarschalls Radetzky

Die Bibliothek des Feldmarschalls Radetzky. Von Walter Wagner (Wien). „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Gilt aber dieser Spruch nicht neben dem Umgang mit Menschen auch für den Umgang mit Büchern, zumal, wenn es sich um einen Bücherfreund handelt? Daß Radetzky zu diesen Menschen zählte, erwähnt sein neuerster Biograph, Oskar Regele1)- Das im Kriegsarchiv verwahrte „Inventarium über die nach dem am 5. Jänner 1858 verstorbenen Herrn Feldmarschall und geheimen Rath etc. etc. Josef Grafen Radetzky de Radetz Vorgefundenen Bücher, Karten und Pläne“, welches am 11. 12. und 13. Jänner 1858 aufgenommen wurde2), verzeichnet zwar nicht, wie Regele schreibt3) 2000 Bände, aber es weist immerhin 288 Werke mit über 1200 Bänden 4) aus. Dies ist angesichts des bewegten Lebens des alten Soldaten doch eine recht beachtliche Zahl. Aus der Zusammensetzung dieser Bibliothek kann man wohl mit Vorsicht gewisse Schlüsse auf die geistige Persönlichkeit und auf die Interessen des Feldmarschalls ziehen. Ob das so gewonnene Bild lediglich auf Radetzky anwendbar ist, oder ob es" auch als typisch für den höheren österreichischen Offizier der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts gelten kann, ist angesichts des völligen Fehlens einschlägiger Untersuchungen kaum auch nur mit einem geringen Grad von Sicherheit feststellbar. Die vorliegende Arbeit soll einen ersten Versuch darstellen, in dieses nicht uninteressante Kapitel der österreichischen Geistesgeschichte einzudringen. Selbst eingeengt auf Radetzky persönlich, ergeben sich jedoch einige Fehlerquellen und Unsicherheiten, einmal durch den Umstand, daß die Nummern 25, 26 und 288 nur Sammelbezeichnungen ohne jeglichen Hinweis auf den Inhalt dieser „Opuscoli “ geben, anderseits auch dadurch, daß bei einem Mann in so prominenter Stellung in einigen Fällen doch auch mit Schenkungen und Widmungen zu rechnen ist, somit aus dem Vorhandensein dieser Bücher in keiner Weise auf ein Interesse des Feldmarschalls ge­1) Regele, Oskar: Feldmarschall Radetzky. Wien—München 1957, S. 33. 2) Kriegsarchiv Wien, Verlassenschaft Radetzky 1858-1-27/5. 3) A. a. O., S. 461. 4) Die genaue Bandzahl ist auf Grund des Inventares nicht zu ermitteln, da in einigen Fällen die entsprechenden Angaben fehlen, in anderen wieder nur Lieferungen oder fascicoli verzeichnet sind.

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