Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

392 Meinrad Tiefenthaler Vom Archiv der Reichsgrafschaft Hohenems sind nur einige Bücher und ca. 200 Urkunden im Landesarchiv. Alles andere liegt im Palast in Hohenems, dem größten Adelsarchiv Vorarlbergs. Heute ist es im Besitze des Grafen Franz Josef v. Waldburg-Zeil, eines Besitznachfolgers der Gra­fen von Hohenems. Verwaltet wird das Archiv vom fürstlich-gräflichen Archivar in Zeil. Die Archivalien der Probstei St. Gerold im Großen Walsertal sind zer­streut. Ein Teil liegt bei uns, ein Teil in St. Gerold und der dritte größere Teil im Kloster Einsiedeln, dem diese Probstei gehört. Ebenso ist es mit dem Archiv der Reichsherrschaft Blumenegg und dem Archiv des Johanniterklosters in Feldkirch, dem späteren Priorat von Ottobeuren der Fall. Das Kloster Weingarten war vor Ottobeuren eine Zeit lang Besitzer des Johanniterklosters und auch Inhaber der Reichsherrschaft Blumenegg. So kamen also über die beiden Besitzer Weingarten und Ottobeuren Archi­valien der genannten Archive nach Stuttgart und München, sodaß auch von diesen Archiven nur Teile im Vorarlberger Landesarchiv aufzufinden sind. Von den Klosterarchiven ist das des 1806 aufgehobenen Klosters Mehrerau bei Bregenz das wertvollste und reichhaltigste in Vorarlberg. 2800 Urkunden vom Jahre 1139 bis zur Auflösung liegen bei uns. Die Zins­bücher beginnen mit dem Jahre 1585 und sind bis ins 19. Jahrhundert herauf fast vollständig vorhanden. Da Mehrerau großen Besitz auch im Allgäu hatte, ist dieses Archiv für die Allgäuer Forscher wichtig. Für weitere Kreise dürfte es von Interesse sein, daß eine große Anzahl von Briefen vorhanden ist, die von bedeutenden Wissenschaftlern im 18. Jahr­hundert an Apronian Huber, Prior diese Benediktinerstiftes, gerichtet waren. Von den ständischen Archiven ist das des Standes Bregenzerwald das reichhaltigste. Schon aus dem Archivbestand ersieht man die gute Verwal­tung der Landschaft, die Liebe der Bregenzerwälder zu ihrer Freiheit, die Sorge um die Erhaltung ihrer Privilegien und Rechte. Ihre Registratur, geführt von rechtskundigen Landschreibern, war ein Vorbild für bäuer­liche Selbstverwaltung. Leider war das Archiv nach der Aufhebung des Standes manchen Fährnissen ausgesetzt und hatte ziemliche Verluste zu erleiden. Eine Reihe von Landsbräuchen „leges patriae“, wie sie einmal bezeichnet sind, Steuerbücher, die ins 15. Jahrhundert zurückreichen, Ge­richtsakten und Verhörsprotokolle seit dem 15. Jahrhundert sind in diesem Archiv zu finden. Gerade für die Abstammungsnachweise der Bregenzer­wälder Barockbaumeister, die sehr viel, hauptsächlich in Süddeutschland und der Schweiz gebaut haben, bildet das Archiv eine Fundgrube, die in den letzten Jahren zu diesem Zwecke von den Forschern ausgiebig benützt wurde. Die weiteren Archivbestände, die Zunft- und Alparchive, die Pfarr- und Gemeindearchive und die Archive Privater, sind bis auf wenige Aus­

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