Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun
Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun 377 genügen wollen. Das bestmögliche wird übersehen um ein Hirngespenst, und da die Entscheidungen jedesmal durch Alianzen verschiedener Partheien erfolgen, so tragen sie zugleich den Keim in sich zu späterem Verfall. Mich haben diese ganz unhistorischen Erscheinungen, die nun gar mit einem Preußischen Kaiserthum enden sollen, als ob ein Oberhaupt, welches nicht einmal ein veto hat ein Kaiser wäre, und als ob die Hohenzollern dergleichen um Deutschland verdient hätten, so sehr mit Widerwillen und Be- sorgniß erfüllt, daß ich mich ganz ernstlich mit der Auswanderungsangelegenheit zu beschäftigen angefangen habe, um in omnem eventum gefaßt zu sein52 * 54). , Oestreich hat hierher so zu sagen die besten und die schlechtesten Deputaten geschickt. Zuletzt haben sie sich nun in den Interessen Süddeutschlands wieder zusammengefunden. Stülz findet hier durch seine Persönlichkeit sehr viel Beifall und Verehrer. Ihm wie so manchem hat das bewegtere Leben gut gethan. Nebenbei war er so gefällig ein Paar Mainzische Geschichtschreiber M) welche ich kürzlich neu auf gefunden und abgeschrieben habe mit mir zu collationiren. Er hat hier eine Linzerin auf gefunden, eine mit Recht verehrte und hochgeachtete Frau, welche die zwei größten deutschen Dichter der Neuzeit, Göthe und Clemens Brentano zu ihren Verehrern rechnen durfte und von ihnen besungen worden ist5*). Da versetze ich mich nun in Gedanken nach dem anmuthigen Lmz und gehe durch die neu gebrochene Oeffnung nach der Brücke über die eilende Donau auf der Eisenbahn hinauf nach St. Magdalena meinem Lieblingsplatz und sehe über die Ebene hin, aus der die Donau blinkt, nach den Steierischen Gebirgen. Wie schön könnte das Leben sein, und wie elendiglich wird es von den Menschen selbst verdorben! Genehmigen Sie den Ausdruck der aufrichtigsten Verehrung von Ihrem ergebensten Fr. Böhmer. Frankfurt, 11. Feb. 1849. 52) Über Böhmers Answanderungspläne, Janssen 1, S. 296 ff. 53) Stülz unterstützte Böhmer bei der Vorbereitung der Edition des Martyriums des Erzbischofs Arnold und der Vita des Erzbischofs Bordo. Janssen 1, S. 309. 54) Marianne Willemer, geh. Jung. Vgl. Schmidt, Kunstchronik 2, S. 211.