Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
NECK, Rudolf: Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441)
Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441) 231 richs zur „moralischen Gewißheit“ wurde9). Immerhin hat dagegen noch A. Huber die Gründe gegen die Echtheit des Testaments als ungenügend beurteilt10 *). Erst im Zusammenhang mit den Untersuchungen vor allem von Dvofák über die Fälschungen des Reichskanzlers Kaspar Schlick wurde auch dieses Testament als Fälschung bezeichnetn), wobei dahingestellt blieb, in welchem Ausmaß Eizinger beteiligt war, bzw. ob er in diesem Fall nicht der ausschlaggebende Urheber war, da sein Nutzen aus diesen Fälschungen vermutlich größer war als der von Schlick. Kurz vor dem letzten Krieg hat eine tiefschürfende Studie, die leider bis heute noch nicht genügend zur Kenntnis genommen worden ist, die Fragwürdigkeit vieler Thesen gegen Schlick nachgewiesen 12) und damit auch die meisten Anwürfe gegen Ulrich von Eizing entkräftet. Zweifellos ist die Frage noch weit von der eindeutigen Klärung entfernt und es bedarf noch mancher Untersuchung, um festzustellen, wie weit das Schriftstück, das als politisches Testament sich vielfach den allgemeinen Methoden unserer mittelalterlichen Urkundenlehre entzieht, echt oder unecht ist. Die Inangriffnahme einer solchen Arbeit wäre jedoch bei der Fülle des vorhandenen Vergleichsmaterials schon heute mit Hoffnung auf Erfolg möglich. Die These der Mitautorschaft Eizingers bei einer Fälschung leidet m. E. an vielen inneren Unwahrscheinlichkeiten. Doch ist zu hoffen, daß die noch nicht abgeschlossenen Forschungen der jungen Wiener Schule des Instituts für österreichische Geschichtsforschung auch zur Lösung dieser Frage beitragen wird 13). Wichtig für dieses Problem, wie für die Frage Eizinger überhaupt, bleibt die Erschließung der Quellen und damit in erster Linie des Familienarchivs der Eizinger. Schon vor 1848 konnten namhafte österreichische Historiker, Bibliothekare und Archivare dieses damals in Asparn an der Zaya in Niederösterreich verwahrte Archiv benutzen14), namentlich ein an Inhalt und Umfang bedeutendes Kopialbuch von Eizinger Urkunden. 9) Josef Chmel, Geschichte Kaiser Friedrichs IV. und seines Sohnes Maximilian I. 1. Bd., Hamburg 1840, S. 432. 10) Huber a. a. O., S. 17, Anm. 1. n) Max Dvofák, Die Fälschungen des Reichskanzlers Kaspar Schlick (MIÖG. 22, 1901, S. 51 ff.). 12) Artur Zechel, Studien über Kaspar Schlick. Anfänge — Erstes Kanzleramt — Fälschungsfrage. Ein Beitrag zur Geschichte und Diplomatik des 15. Jahrhunderts. (Quellen und Forschungen aus dem Gebiete der Geschichte, Bd. 15), Prag 1939. 13) Ich bin meinem alten, hilfsbereiten Freunde Univ.-Doz. Dr. Heinrich Koller zu ganz besonderem Dank verpflichtet, daß er mir Einsicht gewährte in das Manuskript seiner scharfsinnigen, wenn auch in vielem noch vorsichtigen Studie „Die Fälschungen in der Reichskanzlei unter Albrecht II.“ 14) J. Chmel in den Österreichischen Blättern für Literatur, Jg. 1847, Nr. 59 f., 65 f. und 71, fortgesetzt im AÖG. 1, 1848, II. und V. Heft. Emst Birk in Quellen und Forschungen zur Vaterländischen Geschichte, Literatur und Kunst, Wien 1849, S. 109 ff.