Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv
218 Gotbert Moro Nach dem Hinweis auf die Schenkung Treffens durch Graf Wolfrad II., seine Gattin Hemma und Patriarch Ulrich II. an Aquileja (vielleicht schon 1163) bemerkt Jaksch, daß es bei den engen Beziehungen zwischen dem Kloster Ossiach und dem Patriarchat Aquileja44) begreiflich werde, daß die Schenkungsurkunde im Kloster blieb, „umsomehr da Treffen nicht sehr weit von Ossiach liegt“ 45 * *). Völlig anderer Ansicht ist Ernst Klebel48). Die Schenkungsurkunde sei, nachdem König Heinrich II. Treffen 1007 von Bischof Christian von Passau ertauscht hatte, mit dem Besitz an die Stifterfamilie von Ossiach gekommen, denn es lasse sich nun feststellen, „daß der Graf Ozi der Vater des Gründers von Ossiach ist, auch Graf in der Gegend von Otting in Bayern gewesen ist“ 4'), woraus hervorgehe, „daß Ozi den gesamten Königsbesitz, der seinerzeit zur Stiftung von Otting verwendet worden war, in die Hand bekommen hatte und mit einem Teil Ossiach gegründet hat“. Aber die Stifterfamilie habe anscheinend nicht sehr lange Treffen selbst behalten, weil 1065/66 Graf Marquard von Eppenstein, der Vater der Kärntner Herzoge Liutold (1077—1090) und Heinrich III. (1090—1122), als Inhaber der Herrschaft erscheine, die er, wie anzunehmen sei, „in den Kämpfen um 1050 wie so manches an sich gerissen hatte“ 48). Für ihren Übergang an die Grafen von Veringen, die auch anderes altes Eppensteiner Gut (Molz- bichl und Graslab) 49) geerbt hätten, nimmt Klebel Erbfolge durch eine vermutliche Verwandtschaft dieses Geschlechtes mit den Grafen von Aben- berg50) und beider mit den Eppensteiner Brüdern Herzog Liutold und Herzog Heinrich III. an51). Auf die Frage, wann und durch wen die Schenkungsurkunde in das Kloster Ossiach gelangt ist, geht Klebel nicht ein; da sie aber seiner Meinung nach an die Stifterfamilie von Ossiach gekommen sei, mag er wie Muffat daran gedacht haben, daß es durch diese geschehen ist. Klebel unterliegt jedoch offenbar einem Irrtum, denn der von ihm in der zur Grafschaft Mattiggau gehörigen Gegend von Ötting für 1027 festgestellte Graf Ozi ist nicht der Vater, sondern wohl sicher der in 44) Hiezu verweist A. Jaksch auf die Bestätigungen des Klosters Ossiach für Aquileja von 1132 VI 29 (Papst Innocenz II.) und 1149 V 14 (Kg. Konrad III.), Mon. Car. Ill, Nr. 644 u. 876. 45) Mon. Car. Ill, S. XXI. — Siehe auch Anm. 26 und 37. «) E. Klebel, Grundherrschaften, Die Herrschaft Treffen, S. 32 ff. 4?) A. a. 0., S. 33. 48) Ebda. «) Mon. Car. IV/1, Nr. 1672. so) Klebel entging, daß schon H. Hermann in der Car. 19. Jg„ 1829, Treffen in Kärnten und seine Grafen, S. 4 bemerkt, daß Graf Wolfrad von Treffen „höchstwahrscheinlich ein naher Verwandter dieses Erzbischofs (Conrad von Salzburg), eines gebornen Grafen von Abensberg in Baiern (war), in dessen Geschlechte wir die Wolframe und Wolf gange vielfach finden“. 51) Klebel a. a. 0., S. 33 f.; eine Erbfolge nach Herzog Heinrich III. ist allerdings ausgeschlossen, da dieser 1122 starb, während Graf Wolfrad schon 1096 in Treffen begütert gewesen sein wird, s. Anm. 23.