Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Holics und Sassin, die beiden Mustergüter des Kaisers Franz I. Stephan

Holies und Sassin, die beiden Mustergüter 191 Die eigenhändigen Hervorhebungen zeugen von der Bedeutung, die ihr Besitzer diesen beiden Herrschaften beilegte. Denn Franz Stephan besaß im Augenblick seines Todes am 18. August 1765 noch zahlreiche andere Güter5), die er, soweit sie nach dem 28. Januar 1751 erworben waren, ohne große Mühe in anderen Nachträgen hätte erwähnen können: der letzte Wille der Prinzession Anna Maria Luisa de’Medici, in dem sie ihn zum Erben einsetzte, enthielt vier solcher Zusätze6). Im übrigen hatte er das gleichfalls nicht angeführte Gut Enyed auf der Großen Schüttinsel bereits 1747 erworben 7). Wie waren diese beiden Güter nun beschaffen, deren Wichtigkeit so groß war, daß sie nie verkauft, verschenkt oder veräußert werden durften, und die in der Tat bis zu ihrer Konfiskation durch die Tschechoslowakische Republik im Jahre 1921 im Besitz des Hauses Habsburg-Lothringen ver­blieben?8 *) Holies, im damaligen ungarischen Komitat Neutra gelegen, war mit der drei Stunden davon entfernten Herrschaft Sassin (Sasvár), einem seiner­zeit hochberühmten Wallfahrtsort, und mit Bur, Kuklow etc. „noch bei Lebzeiten des Kaisers (Karl VI.) von denen Graff Czoborischen Creditoren“ abgelöst und eingehandelt worden »), nachdem es 1392 im Besitz der Grafen Revay nachweisbar gewesen war. Der genannte Graf Joseph Czobor ist eine eigenartige und interessante Persönlichkeit. Die Geschichten, die Constant von Wurzbach von ihm er­zählt10), sind zwar amüsant und ungarischem Wesen keineswegs zuwider, dürften aber doch nicht ganz den Tatsachen enstprechen. Dieser „letzte eines ansehnlichen und reichen ungarischen Geschlechtes“, der „von einem beispiellosen, raffinirten Hang zur Verschwendung beseelt“ war, hatte nämlich schon von seinem Vater neben den ausgedehnten Gütern auch immense Schulden geerbt, so daß er sein ganzes Leben — er dürfte etwa 1701 geboren sein — in der Hauptsache im Kampf mit seinen Gläubigern verbracht haben wird, die auch Khevenhüllers Notiz kennt. Vom ersten doppelt auf, und ist abgedruckt in: Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch ... 1742—1776. Hrsg. ... v. Rudolf Graf Khevenhüller-Metsch und Hanns Schiitter (— künftig: Khevenhüller). 1907—1925. 1764—1767, S. 396—417 (samt allen Beilagen). 5) Vgl. Hanns Leo Mikoletzky, Franz Stephan von Lothringen als Wirt­schaftspolitiker, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. 13. 1960, S. 241 ff. «) HHStA Lothringisches Hausarchiv. Abt. 3, Karton 187, Nr. 110. 7) HHStA K. u. k. Privat- und Familienfondsgüterdirektion Wien. B. Fasz. 16. 8) Vgl. Albin Schager-Eckartsau, Die Konfiskation des Privatvermögens der Familie Habsburg-Lothringen und des Kaisers und Königs Karl. 1922, S. 8 ff., 32 ff. °) Khevenhüller, 1742—1744, S. 173 f. (zum 29. August 1743). 10) Constant v. Wurzbach Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oester­reich, 3. 1858, S. 116 f.

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