Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara
108 Walter Goldinger österreichischen Waldviertel. Eine Angabe, daß er vorher die Pfarre Groß- globnitz, ebenfalls im Waldviertel, verwaltet habe, läßt sich nicht belegen43). Nach seinem Tode wird 1690 II 27 Johann Georg Lang als Nachfolger auf die Pfarre Kirchberg präsentiert. Auch als Pfarrer hat sich Sigmund Megerle stets als canonicus regularis unterschrieben 44 *). Wie Abraham Megerle berichtet, hat Sigmund ein mit dem eigenen fast übereinstimmendes Wappen geführt, dazu die Umschrift: S. M. — C. R. — T. A., aufzulösen mit Sigmund Megerle, canonicus regularis, Tirnsteinensis Austriae. Übrigens ein kennzeichnendes Beispiel, wie in jenen Jahrhunderten ohne besondere Verleihung — diese bezog sich naturgemäß bloß auf Abraham-Wappen angenommen und geführt wurden, was eine spätere Kanzleiheraldik nicht wahrhaben wollte. Abraham Megerle dachte daran, seinen Stiefbruder zu enterben, hat aber diese Verfügung später widerrufen 4ä). Auf das musikalische Werk und Wirken des Abraham Megerle kann hier nicht näher eingegangen werden46). Wohl aber ist zu bemerken, daß Abraham Megerle noch zu seinen Lebzeiten die Inschriften für die Epitaphien verfaßt hat, die sich im Kreuzgang des Stiftes Altötting und im Dominikanerinnenkloster Zoffingen befinden. Mehr noch, er ist der Autor eines merkwürdigen Büchleins, des schon mehrfach genannten Speculum musico- mortuale, eines Totenspiegels. Das Erscheinungsjahr steht nicht fest, nach dem Wunsch des Autors hätte es unmittelbar nach seinem Tode herauskommen sollen. Im Text erscheinen wohl die Daten über die Geburt, jene über den Tod sind offengeblieben. Der Druck ist so gestaltet, daß die entsprechenden Ziffern später eingesetzt werden konnten. Das Bändchen umfaßt 48 gezählte und 9 ungezählte Seiten, 3 vorne, 6 am Ende46a). Der Grundgedanke ist, daß ihm alle jene, die er anführt, nach seinem Ableben mit Gebeten und Opfern zu Hilfe kommen sollen. Er beginnt mit einer Widmung: Domum aeternitatis ingressurus rebusque fluxis et caducis postremo valaedicturus: amoris honorisque ergo dicat, dedicat, consecratque. Namentlich genannt werden Albert Sigmund, Bischof von Freising und Regensburg, Herzog von Bayern, Propst von Konstanz und Öttingen; Achatius Viertel, Dekan und Vizepropst des Kollegiatkapitels von Altötting; zuletzt das Kapitel von Altötting als Ganzes. Es folgt der Abschied (letzer Urlaub) von zahlreichen Bekannten, Personen und Korporationen, namentlich Klöstern. Dieser Abschnitt enthält viel Autobiographisches, da Abraham Megerle dabei auch einen Rückblick auf sein eigenes Leben gibt. Am Ende zieht er die Summe: Vanitas vanitatum et 43) Topographie von Niederösterreich 4, 132. 44) Auskunft des Diözesanarchivs St. Pölten, für die dessen Leiter Dr. Gerhard Winner bestens gedankt sei. 43) Albert, a. a. O., 140. 46) Darüber Albert, 44 ff. u. Konstantin Schneider, Geschichte der Musik in Salzburg, 1935, 64 ff. 46a) Benützt wurde das Exemplar in der Studienbibliothek Salzburg mit der Signatur 92.971 I.