Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert
98 Peter Gasser vor. Jetzt war vielmehr von einer Sperre der über Hamburg geleiteten Exporte die Rede, die durch eine zwanzigprozentige Erhöhung des Ausfuhrzolls für alle auf dem Land- oder Flußwege nach der Hansestadt abgehenden Waren erzwungen werden sollte. Auf Befehl Maria Theresias (Handbillet vom 15. II. 1771) wurde Seriones Vorschlag vom Kommerzienratpräsidenten Grafen Leopold Kolowrat im Beisein des neuen Intendenzapräsidenten Grafen Heinrich Auersperg eingehend geprüft21). Der Kommerzienrat stand, wie eingangs schon erwähnt, diesen Bestrebungen ablehnend gegenüber. L i c h- nowskys Nachfolger Auersperg hörte auf die Stimme des erfahrenen Intendenzarates Pasquale Ricci, der von Anfang an gegen die Pläne seines ehemaligen Chefs Bedenken wirtschaftlicher Natur vorgebracht hatte. Unter sich einig, wandten beide Stellen eine hinhaltende Taktik an, galt es doch vor allem Joseph II., der geradezu leidenschaftlich Seriones Argumente unterstützte, von deren Gefährlichkeit zu überzeugen. So wurde in Befolgung des vorerwähnten Handschreibens beschlossen, die Angelegenheit unter Anführung aller Gründe, die Triests Wettbewerb mit Hamburg erschwerten, vorläufig nur „präparative einzuleiten“. Man wies auf die durch den unzureichenden Schiffsraum bedingten Verladungsschwierigkeiten in der Hafenstadt hin, „die erst in den letzten Jahren des unsterblichen Karl VI. durch gute Landstraßen von den Erblanden wandelbar, erst durch dero landesmütterliche Sorgen mit bewegsamen Handelsleuthen besiedelt worden“ 22). Joseph II. zeigte sich diesen von Kommerzienrat und Intendenza vorgebrachten Bedenken gegenüber zunächst taub und äußerte vielmehr am 28. III. 1771 seine Absicht, im Falle der nicht gutwillig erfolgenden Umleitungen die nach Hamburg abgehenden Glaswaren mit einem zehn und noch mehr prozentigen Ausfuhrzoll zu belegen 23). In einer ausführlichen Relation vom 10. VI. 1771, die den Kaiser von den verhängnisvollen Folgen solcher Zwangsmaßnahmen endlich überzeugte, stellte der Kommerzienrat zunächst fest, daß nicht die gesamte Glasausfuhr Böhmens für Portugal-Spanien, die größere Quote vielmehr für Holland und die Ostseegebiete bestimmt wäre. Diesem Bericht lag auch ein Gutachten (riflessione) Pasquale Riccis bei, das dieser bereits am 27. IX. 1763 zu den Vorschlägen seines damaligen Vorgesetzten Lich- n o w s k y erstattet hatte. Der Intendenzarat war schon damals, das Für und Wider genau abwägend, zu der „conclusio“ gelangt, den nördlichen Provinzen der Monarchie ihren Export vorzugsweise über Hamburg, den südlichen Gebieten hingegen über Triest bzw. Fiume zu belassen24). Dies 21) HKA.: Lit. Fasz. 133 (342). 22) HKA.: Lit. Fasz. 133 (342). 23) HKA.: Lit. Fasz. 133 (521). 24) HKA.: Lit. Fasz. 133 (528).