Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

94 Peter Gasser führten Roh- und Fertigwaren. Ihre auf diesem Gebiete bis dato gesam­melten Erfahrungen seien keineswegs ermutigend, da von ihnen, im Widerspruch zu den im Jahre 1725 und auch später erlassenen Bestim­mungen in einigen Fällen ungerechtfertigte Abgaben verlangt worden wären, worüber sie auch bei der böhmischen Hofkanzlei Beschwerde er­hoben hätten11). Auch klagten die Prager Händler über die Langsamkeit der vom Lito­rale nach Böhmen abgewickelten Transporte, die sich vor allem bei Lebens­mittelsendungen höchst unangenehm auswirkte. Sie führten diese Unzu­kömmlichkeiten in erster Linie auf die umständlich-langwierigen Mani­pulationen der Kontrollstellen in Laibach zurück. Mit dem Versprechen Benzonis, diesbezüglich bei den Wiener Zen­tralstellen vorstellig zu werden, fanden seine Prager Gespräche und mit dem Besuch der dortigen Damastmanufaktur, durch den einbrechenden Winter bedingt, auch weitere Besichtigungen ihren Abschluß. B e n z o n i und B e r t e 11 i hatten zwar viele, aber nicht alle Produktionsstätten, die sie programmgemäß aufsuchen sollten, besichtigt. Im folgenden Frühjahr wollten sie das Versäumte nachholen. Nun kehrten sie jedoch zur münd­lichen Erläuterung ihres schriftlichen Berichtes nach Wien zurück. Aus dem zunehmenden Bedarf Italiens an Wolle- und Fertigwaren und dem ständigen Anwachsen der einschlägig böhmisch-schlesischen Produk­tion ersah B e n z o n i günstige Zukunftsaussichten für die erbländische Ausfuhr. Noch war allerdings der Eigenbedarf der Monarchie auf diesem Sektor nicht gedeckt, doch hielt er dieses Ziel durch staatliche Förderung der bestehenden Tuchfabriken bzw. durch Zuschüsse aus derselben Quelle bei Fabriksneugründungen erreichbar. Da für kleinere Betriebe die Roh­stoffbeschaffung aus dem Auslande unerschwinglich war, schlug Ben- z o n i die Errichtung von Wollmagazinen in Prag und Breslau vor, die zum Teil auf Staatskosten bzw. unter gleichzeitiger Beteiligung der Stadt Prag sowie der Prager und Breslauer Großhändler geschaffen werden sollten 12). Den Messeerfolg in Triest selbst machte Stefano de B e n z o n i vor allem von der zeitgerechten Gründung kreditfähiger Handelshäuser in der Hafen­stadt, mit denen die Böhmen und Schlesier oder die ihre Interessen ver­tretenden Wiener in Bargeld bzw. Wechselverkehr treten sollten, abhängig. Seine bereits in Breslau diesbezüglich gegebenen Zusicherungen waren, wie man noch sehen wird, voreilig erfolgt. Wer etwa glauben mochte, daß die schon 1728 geplante und am 31. VIII. 1729 endgültig beschlossene Fiera auch umsichtig vorbereitet worden wäre, irrte. Auf dem Wege nach Wien hatte sich Fortunato C ér­vé 11 i im Frühjahr 1730 auch einige Tage in Triest aufgehalten, wo er zu «) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (313). — „... non ostante la detta Patente, dicono di esser stati in piu casi aggravati ed hanno gia prodotto in questo particolare alia cancellaria di Boemia la loro querella . ..“ !2) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (317).

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