Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

Die Handelsbeziehungen des Litorale 89 Ferraresen liefen in der Folge mit Nachdruck auf die Verwirklichung die­ses seines Lieblingsplanes hinaus* 4). In die Tat umgesetzt entpuppte sich C e r v e 11 i s Projekt jedoch als Fehlgeburt, da der italienische Großhändler etliche Faktoren bürokrati­scher Natur unberücksichtigt gelassen hatte, und sowohl ihm wie auch anderen Experten die aktive Mitwirkung bei der schließlich erfolgten Durchführung nur in beschränktem Umfange zugestanden worden war. Gegen Ende des Jahres 1729 schickte der Kaiser den Agenten des Spa­nischen Kates Giovanni Stefano de B e n z o n i zu einer Erkundigungsfahrt nach Mähren, Böhmen und Schlesien5). Spanien bis Portsmouth. In England dem kaiserlichen Gesandten Fürsten Wratislaw zugeteilt, fand W i d m a n, obwohl zur Ausarbeitung diplomati­scher Korrespondenzen des öfteren herangezogen, dennoch Zeit und Gelegenheit, eingehende Studien über das britische Fabriks- u. Handelswesen anzustellen. Nach seiner Rückkehr aus Spanien griff Karl VI. auf diesen fähigen Mann zurück. Im Jahre 1719 zum Hofrat in der böhmischen Hofkanzlei ernannt, zeich­nete sieh W i d m a n zunächst anläßlich der Steuerreform in Schlesien aus. 1726 war es ihm durch Umsicht, Takt und seinem sozialen Problemen gegenüber aufgeschlossenen Sinn gelungen, die zwischen den böhmischen Webern und den Behörden bestehenden Unstimmigkeiten zu beseitigen. Zwei Jahre später, 1728, konnte er dank „seiner besonderen Geschicklichkeit und in comercien Sachen geübten Erfahrenheit, den zu Iglau auf dem Verfall gestandenen Tuchhandel. ..“ wieder emporheben. Die Standeserhöhung vom 24. VI. 1730 war als Belohnung seiner bisherigen Verdienste und als Ansporn für die künftige schwierige Auf­gabe im Litorale gedacht. (AVA: Hofkanzlei IV D 1, Freiherrenstand vom 24. VI. 1730 f. Joh. Anton v. W i d m a n.) 4) Fortunato C e r v e 11 i wurde 1682 oder 1683 in Ferrara als Sproß der jüdischen Familie R i e t i geboren. Um 1690 nahm die Familie den katholischen Glauben und den neuen Namen an. Als kaiserlicher Resident im päpstlichen Fer­rara erblickte Fortunato Cervelli sein Lebensziel in der Belebung und in dem Ausbau der merkantilen Beziehungen Österreichs zu Italien. In diesem Zusam­menhang verdienen seine Bemühungen um das Zustandekommen einer Fiera in Triest (1728—1731) und seine noch bis in die Jahre 1737/38 verfolgten Pläne, den Handelsverkehr zwischen Innerösterreich, der Lombardei und Toskana über Triest unter Ausnutzung des Poflusses zu intensivieren, besondere Beachtung. Als Gegner des Systems der porti franchi befürwortete Cervelli die Auf­hebung des Freihafenprivilegiums für Fiume und die Konzentrierung aller ein­schlägigen Bemühungen nur auf den einen Hafen — Triest. Am 10. IX. 1729 in den rittermäßigen Adelsstand erhoben, erhielt er unter anderem auch auf Grund von Verdiensten, die er sich bei der Verproviantierung der in Italien gegen die Gallo-Spanier kämpfenden kaiserlichen Truppen erworben hatte, am 6. II. 1737 den österreichischen Freiherrenstand. Cervelli genoß beim Spanischen Rat als Wirtschaftsexperte einen ausgezeichneten Ruf. Er wurde des öfteren zu kommer­ziellen Besprechungen nach Wien eingeladen und zeigte sich, wohl durch Mittels­männer, über die von der Regierung geplanten einschlägigen Maßnahmen im all­gemeinen gut unterrichtet. Fortunato Cervelli starb, sehr begütert, am 25. VII. 1755 in Ferrara. — AVA: Hofkanzlei IV D 1, Adelsakten Cervelli. Wertvolle Hinweise über F. Cervelli hat mir in dankenswerter Weise Alberto Caracciolo Professor der facoltä di Economia e Commercio an der Univer- sitä degli Studi di Urbino mitgeteilt. 5) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (302).

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