Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 561 graphische Leistung erst durch den zweiten Band erschlossen, der selbstän­digen Wert besitzt und dessen Lektüre — anders als sonst bei Belegbänden — für den Fachhistoriker genußreich ist. Eine Aussicht, daß die seit 1935 in den „Nachrichten“ der Göttinger Gesellschaft erschienenen „Berichte und Studien zur Geschichte Karls V.“ in einer Neuauflage zusammen­gefaßt und ergänzt erscheinen, besteht leider nicht. Umso mehr wäre es gerechtfertigt, dem historisch interessierten Leser den zweiten Band der Biographie mit seinem überwältigenden Material neu vorzulegen. Auch für die Studenten der Geschichte ist der methodisch-erzieherische Wert des zweiten Bandes von großer Bedeutung. B. hat sich als Herausgeber des „Archivs für Urkundenforschung“ auch um die Hilfswissenschaften sehr verdient gemacht und seine Art der Anwendung auf die frühe Neuzeit sollte beim Unterricht in keinem historischen Proseminar versäumt werden. Im selben Gedenkjahr 1959 wie Brandis 5. Auflage erschien in deutscher Übersetzung das 1956 zuerst in englischer Sprache publizierte Werk des Amerikaners Royall Tyler. Der 1953 verstorbene Verf. hatte eine erfolg­reiche Laufbahn bei internationalen Institutionen hinter sich, hat lange Jahre in Genf gewirkt und sich dabei hinreichend in den europäischen Stil eingelebt. In Historikerkreisen besitzt er einen guten Namen als Heraus­geber einzelner Bände der Calendars of State Papers; er ist daher auch quellenmäßig mit der Zeit Karls V. gut vertraut. Durch seine Gattin ist er überdies mit den frühen Arbeiten zur Geschichte Karls V. und namentlich mit Wien verbunden. Mrs. Elena Royall Tyler, die vor dem Ersten Welt­krieg eine begeisterte Benutzerin im Haus-, Hof- und Staatsarchiv gewesen war, hatte seit 1920 die finanziellen Mitteln für ein Unternehmen des Archivs beschafft, das die Herausgabe der politischen Korrespondenz Karls V. mit dem Auslande in zwanzig Bänden zum Ziele hatte. Das Unter­nehmen bedeutete in den Notjahren der Nachkriegszeit auch eine nicht geringe materielle Hilfe für die damaligen Beamten des Archivs. Wenn auch nur bis 1921 der erste Band druckfertig vorlag und die Drucklegung in der Zeit der Inflation nicht mehr möglich war, so wurde das Material 1928 dem Kaiser-Wilhelm-Institut für deutsche Geschichte zur Verfügung gestellt und kam damit letzten Endes dem Unternehmen Brandis zugute. Hier besteht also über Wien eine Verbindung zwischen den beiden vorlie­genden Werken. Es ist von vorneherein eine überaus schwierige Aufgabe, nach dem Werk von Brandi noch einmal umfassend über dasselbe Thema zu schreiben. Anläßlich der im Jahre 1959 stattgefundenen Feiern wurde unter Teil­nahme namhafter internationaler Gelehrter eine Reihe von Vorträgen gehalten, die teilweise wirklich ergiebig waren, aber sich vom Thema her schon vielfach am Rande bewegten und oft nur nebensächliche Fragen behandelten. Unter diesem Gesichtspunkt muß sich auch bei der Biographie von T. eine Kritik an Einzelheiten verbieten. Immerhin darf hier auf einige Unterschiede der Behandlung des Stoffes durch B. und T. hingewiesen werden. Während B. ein geschlossenes Lebensbild bietet und bei ihm (im ersten Band) das biographische Moment im Vordergrund steht, hat T. den Stoff mehr zergliedert und nach einigen Hauptthemen zusammengefaßt. Sein Mitteilungen, Band 13 36

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