Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 543 erfüllt ist, den ersten Abschnitt dar. Daraus ergibt sich schon, daß dem Autor die zusätzliche Aufgabe gestellt war, in der Begründung des zeit­lichen Ansatzes eine solide Ausgangsposition für die ganze Reihe zu schaf­fen, dabei einerseits die letzten Diskussionen über die Periodisierung der europäischen Geschichte nicht zu übersehen und andererseits auf das tra­ditionelle Schema, das zumindest früheren Handbüchern und Orientierungs­mitteln immer noch die verläßlichste Grundlage geboten hat, die nötige Rücksicht zu nehmen. Als vordere Zeitgrenze ergibt sich, wie aus dem Thema zu ersehen ist, die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, wobei jedoch die Gültigkeit dieses Ansatzes an die Betonung des Wortes „Wer­den“ im Titel gebunden ist. Näheres über diese Frage erfahren wir aus der gedankenreichen Ein­leitung des Autors. Nicht „gleichmäßig dem Fortleben von Altem und der Ankündigung von Neuem“ Rechnung zu tragen, sondern die „in die Zu­kunft weisenden“, die „modernen Stimmen und Tendenzen“ während des fraglichen Zeitraumes, besonders der ersten beiden Jahrhunderte, darzu­stellen, bildet das Hauptanliegen. Für das 16. Jahrhundert, das erste der traditionell begriffenen „Neuzeit“, fallen diese Vorzeichen zwar ganz oder teilweise weg; umsomehr jedoch gelten sie für die Zeiten der Auflösung der mittelalterlichen Struktur im 14. und besonders im 15. Jahrhundert. (Die Ankündigung Gerhard Ritters im Vorwort p. V, der Autor beziehe erstmalig Reformation und Renaissance in das spätmittelalterliche Leben ein, bedeutet nur eine Umkehrung dieses Programmes.) „Integrale Histo­rie“ wird nur für das letzte der drei beschriebenen Jahrhunderte erstrebt, wobei im Hinblick auf das bescheidene Maß an menschlicher, d. h. von der Kirche nicht mehr erfüllter Autonomie die „Kirchengeschichte“ das zen­trale Thema abgibt. Diesem Programm entsprechend beginnt die Darstellung mit einem reflektierenden Abriß der spätmittelalterlichen Kirchengeschichte (Reform und Landeskirche, Religiosität, Theologie) und führt über eine ausführ­liche Erörterung des Humanismus- und Renaissanceproblemes zu den Zentren frühneuzeitlicher Staatsentwicklung von den britischen Inseln bis zum Moskauer und zum osmanischen Staatswesen; es folgen die europäische Politik im Brennpunkt Italien im Zeitalter Maximilians L, die frühen Be­ziehungen zur außereuropäischen Welt und eine Analyse der Struktur des Reiches am Vorabend der Reformation. Mit diesem ersten, „Grundlagen und Bausteine“ betitelten Kapitel sind wir bereits in die Zeit Luthers und der Conquista gelangt, die Darstellung, die sich bisher auf eine sorgfältige, häufig erst mit dem 15. Jahrhundert einsetzende Auswahl aus der Fülle des Stoffes im Hinblick auf die Probleme des 16. Jahrhunderts beschränkte, beginnt nun wesentlich ausführlicher zu werden. Der zweite Abschnitt („Die Glaubens- und Kirchenspaltung“) umfaßt zeitlich all das, was all­gemein — mit Ausnahme einiger Paragraphen (Weltwirtschaft, Entdeckun­gen und Missionen seit 1517) — in den Rahmen und in den Zusammenhang der Reformation gestellt wird. Für den abschließenden dritten Teil („Der Konfessionskampf im Zeitalter der Regeneration der katholischen Kirche und der Vormachtstellung Spaniens“) bleibt das weite Feld von Cateau- Cambrésis bis zum Jahrhundertende, wobei besonders der letzte Paragraph

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