Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
LENZENWEGER, Josef: Der geistliche Protektor der deutschen Nationalkirche und des Priesterkollegs Sta. Maria dell'Anima in Rom
Der geistliche Protektor der deutschen Nationalkirche und des Priesterkollegs Sta. Maria deli’Anima in Rom. Von Josef Lenzenweger (Linz). Abkürzungsverzeichnis. A.A. = Archiv der Anima, Rom. StA = Staatsarchiv (Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien). u.A. = ungeordnete Akten. Am 29. Mai 1854 überreichte Lukas Conte Gozze, der während des Urlaubs den österreichischen Botschafter, Moritz Graf Esterházy, in Rom vertrat, dem Heiligen Stuhl eine offizielle Note. Durch diese wurde die von verschiedenen Seiten geforderte Visitation der deutschen Nationalkirche erbeten, die unter dem Protektorate des österreichischen Kaisers stand. Damit war trotz aller persönlichen Querschüsse des eben genannten Botschafters und des Verwaltungsrates der Anima unter seinem Vorsitzenden Mons. Peter Conte Silvestri, Dekan der Rota Romana, eine Bewegung ins Rollen gekommen, die schließlich doch eine zeitgemäße Erneuerung dieser alten deutschen Kirche in Rom herbeiführte. Schon ein paar Tage später wurde Kardinal Johannes Brunelli zum Apostolischen Visitator ernannt. Als Konvisitatoren zog er dann Reggente Silvestri sowie dessen Kollegen Peter Gianelli, ebenfalls Auditor der Rota, ferner Mons. Gustav von Hohenlohe und den aktiven Rektor der Anima, Universitätsprofessor Dr. Alois Flir, bei. Am 1. August eröffnete der Kardinal feierlich im Beisein der ganzen Kommission sowie des Verwaltungsrates und aller Hospizbewohner die Visitation. Rektor Flir erhielt den Auftrag, eine historische Untersuchung über die Rechtslage durchzuführen1). Deren Ergebnis bezüglich des obersten Protektorates war: Die Schirmherrschaft stand zunächst allein und ausschließlich dem Papst zu. Als es sich aber 1484 um den Weiterbestand der Anima handelte, den man durch die Erbauung der benachbarten Kirche St. a Maria della pace unter Sixtus IV. bedroht sah, begab sich die Anima-Kongregation unter den Schutz des Kaisers. Seither datierte dessen Protektorat, das zu Zeiten Maximilians I. i) Vgl. zum Ganzen Josef Sehmidlin, Geschichte der deutschen Nationalkirche in Rom Santa Maria dell’Anima (Freiburg u. Wien 1906), bes. S. 732—792, sowie Josef Lenzenweger, Sancta Maria de Anima, 1. u. 2. Gründung (Wien- Rom 1959), bes. S. 45—65.