Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker
Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker 239 mit der Umwandlung der 6% igen Schuldverschreibungen in 5% ige. Diese Transaktion brachte eine Kurssteigerung vielfach bis zum Nennwert der Papiere mit sich, was man dem persönlichen Eingreifen des Kaisers zuschrieb. Freilich sollte er sich nicht lange dieser Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens zu erfreuen haben. Denn am 18. August 1765 starb er, eine völlig verzweifelte Frau hinterlassend. Abgesehen von diesem doch eher sporadischen Auftauchen des Kaisers aus dem Aktenmeer der maria-theresianischen Zeit finden sich zwar zahlreiche Andeutungen von Franz Stephans großer Wirkung auf die Finanzpolitik des Landes, aber bedauerlicherweise nirgends ausdrückliche Belege dafür, so daß Friedrich Walter sagen zu müssen glaubt, er habe mit Ausnahme bestimmter Nebenämter die finanziellen Geschäfte der Monarchie doch wohl niöht selbst geführt43). Daß eine indirekte Beeinflußung gelegentlich vorlag, darf allerdings als sicher angenommen werden. Schon als Graf Rudolf Chotek 1749 „die Direction des Statt Banco“ erhielt, munkelte man in Wien, daß er diese Stellung nur dem Namen nach bekleide und daß „in der That... der Kaiser Selbsten die Hände darinnen hätte und die geheime Instruction ihn in seiner Manipulation also bindete, daß er nicht das geringste thun dörffe, ohne sich vorhero beim Kaiser anzufragen und dessen Befehle und Anweisungen abzuwarten“ 44). Eine Bestätigung findet dieses Gerücht jedoch nur im Vortrag des Grafen Friedrich Wilhelm Haugwitz vom 15. März 1764, wo von einem Billett die Rede ist, in dem Haugwitz bedeutet worden sei, daß weder die Kaiserin „noch ihro Mt. der kayser sich resolviren, den stadt- banco dem Directorio in publicis et cameralibus einigermaßen zu untergeben, sondern ihre Mt. der kayser wolten diesen stadt-banco Selbsten dirigiren und unter allerhöchst dero persohn den grafen v. Cotheck zum praesidenten ernennen“. Haugwitz habe „auf allerhöchsten befehl die instruction für besagten grafen v. Cotheck entwerfen müssen“45), übrigens bezeichnet auch der spätere Großkanzler Carl Joseph Maximilian Freiherr von Fürst und Kupferberg, ein schlesischer Edelmann und Vertrauter Friedrichs II. von Preußen, den Kaiser 1755 als den „Geschäftsmann seiner erlauchten Gemahlin“, dessen Schatz in der ungefähren Höhe von 20 Millionen Gulden „in einem wohlbewachten Hause in der Wallnerstraße in Wien, dem Fürsten Esterhazy gegenüber“ aufbewahrt wurde46). Wir kennen nun zwar dieses 1740 gekaufte „Kaiserhaus“ in der Wallnerstraße (heute Nr. 3) gut47) und wir werden auch später von ähnlichen 48) Walter a. a. 0. S. 203. Vgl. auch die damalige allgemeine Auffassung bei Khevenhüller 1764—1767, S. 136 (zum 31. August 1765). 44) Khevenhüller 1745—1759, S. 299 (zum 12. Januar 1749), vgl. auch S. 533/A. 344. «) ÖZV. a. a. 0. S. 253/A. 1. 46) Ranke a. a. O. S. 47. 47) Vgl. Alfred R. Schrötter v. Rauhwegen, Zur Geschichte des Kaiserhauses