Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung

218 Rajkó L. Veselinovic „Heute ist der Name Albaniens“ — schrieben mit Recht zu Ende des 19. Jahrhunderts — Talóczy und Jirecek „ein mehr ethnographischer Be­griff von sehr bedeutendem, aber unsicherem, besonders im Binnenland und im Süden ganz unbestimmtem Umfang“ * 67). Nachdem wir Marsiglis Teilung in drei Albanien (turca, libera, veneta) und die Erstreckung seiner „Klimenten“ weder in der deutschen noch in der italienischen Literatur finden, wollen wir bei der damaligen türkischen Territorialeinteilung in Sandschakate verweilen und werden auch von die­ser Sicht aus Marsiglis Einteilung als unrichtig erkennen. Jene Gegenden und Städte Altserbiens, die Marsigli zu seinem Türkisch-Albanien schloß — einem in der türkischen Provinzeinteilung des Balkans unbekannten Begriff — gehören zu den Sandschakaten Dukagin (Altin, Ipek, Plav, Zadrima, Alessio, Podmila) , Prizren (Prizren, Suha Réka, Havas Prizren, Bihor, Trgoviste, Kicevo oder Krcevo) und Vucitrn (Vucitrn, Pristina, Prokuplje, Kosovo, Janjevo, Morava, Novo Brdo, Karica). Jene Teile Makedoniens im heutigen Jugoslawien zwischen Üsküb und Kacanik, die sich westlich des Vardarflusses erstrecken und die Marsigli dem sog. Freien Albanien zurechnete (Albania libera), waren weder frei, noch gehörten sie zu Albanien, sondern standen unter dem Sandschak-Beg von Üsküb, dem ersten Sandschakate, das die Türken zu Ende des 14. Jahr­hunderts auf dem Boden des eroberten mittelalterlichen Serbien errich­teten. Zu diesem Sandschakate gehörten die Gerichtssprengel Üsküb, Tetovo • Kalkandelen), Kacanik und Prilep. Montenegro, das gleichfalls zum Teil von Marsiglis Türkisch-Albanien umfaßt wird, gehörte im 17. Jahrhundert zum Sandschakat Skutari und hatte zwei Gerichtssprengel: Podgorica und Cetinje68). Da die orthodoxen Bischöfe von Cetinje unter ihrer Jurisdiktion alle Christen dieses Sandschakates hatten, wozu auch gewisse Teile des echten Albanien gehörten, führten sie in ihrer Titulatur häufig an, Bischöfe, bzw. Metropoliten von Montenegro, Skutari oder Albanien zu sein69). oribus loquendi formulis. Romae. Typis Sac. Cong, de Propag. Fide, 1035 (Édité avec introduction et index complet par Mario Roques. Paris 1932), 196—198. 67) Thalóczy-Jirecek, Zwei Urkunden, 82. 68) H. Hadzibegic, Rasprava Ali-Causa iz Sofije o timarskoj organi- zaciji u XVII stolecu. Glasnik Zemaljskog muzeja u Sarajevu, N. s. za drustvene nauke, 1947, II, 178. — Dr. A. Ivic, Gradja za srpsku istorisku geografiju. Glasnik Geografskog drustva 7-8. Beograd 1922, 206. — V. Karadzic, Geo- graficesko-statisticesko opisanije Srbije. Danica za 1827, 54. — H. äabano- v i c, Upravna podjela jugoslovenskih zemalja pod turskom vladavinom do Karlovackog mira 1699 godine. Godisnjak Istoriskog drustva Bosne i Hercego- vine IV. Sarajevo 1952, 174, 177—178, 185—186. 69) Ein Formular des Patriarchates von Ipek des Jahres 1656 erteilt diese Anweisung über Adressen und Titel an Montenegro: „Nach Montenegro schreibe so: An das gottgefällige Gebiet Cetinje, an das Gericht (Kadiluk) Podgorica, Scutari und an den Stamm der Pastrovici“. — 1648 Unterzeichnete der Bischof Pajsije einen Brief: Paisii Dei gratia Metropolita di Budimlia et Albania. —

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