Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
568 Literaturberichte don und München und die preußischen und italienischen Staatsarchive sind verwertet. Lange Aktenauszüge in den Fußnoten scheinen die Brauchbarkeit des Aufsatzes zu vermehren, der einen Ausschnitt aus einer geplanten größeren Arbeit darstellt (Anm. 1). Im Jahresbericht des Collegium Petrinum in Linz 52 (1955/56) ist ein gleichnamiger Aufsatz des Verf. erschienen, ein Umstand, von dem der Leser allerdings nicht unterrichtet wird. Einer Einleitung über die Entwicklung der „Römischen Frage“ bis zum Jahr 1868 folgt als erstes Kapitel ein Überblick über die Situation Österreich-Ungarns von 1866 bis 1870 mit einer guten Charakterisierung der unglücklichen Politik des Reichskanzlers Beust. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Lage der katholischen Kirche um 1870. Dann folgt als eigentlicher Hauptteil die Römische Frage in den Jahren 1869 und 1870 bis zur Besetzung des Kirchenstaates durch Italien. Zwei Schlußabschnitte bieten Ausblicke in die Zeit nach dem Ende des Kirchenstaates. Leider genügt schon eine flüchtige Durchsicht der Fußnoten zur Feststellung, daß nahezu die gesamte einschlägige Literatur nicht herangezogen wurde. Was nützt die Erklärung des Verf., daß er den im Jahr 1958 erschienenen ersten Band des Werkes „Österreich-Ungarn und der Vatikan“ von Friedrich Engel-Janosi zu seinem größten Bedauern nicht mehr verwerten konnte (S. 131 Anm. 2), wenn er die beiden einschlägigen Spezialarbeiten desselben Autors, „La Questione Romana nelle trattative diplomatiche del 1869—1870“ in der Nuova Rivista Storica 24 (1941) und „Zwei Aspekte der Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und dem Vatikan im Jahre 1870“ in der Festschrift für Heinrich Benedikt, Wien 1957, nicht heranzieht? Die Kenntnis dieser Arbeiten hätte einen Teil des vorliegenden Aufsatzes entbehrlich gemacht. Für die Zeit von 1865 bis 1870, also für den Hauptteil des Aufsatzes, wird außer dem Buch von Salomon über Richard Metternich keine einzige französische Arbeit, mit Ausnahme von Carlo di Nola über die Mission Vitzthums keine einzige italienische zitiert. Es fehlen Bourgeois und Clermont, Ollivier, De Vecchi di Val Cismon, Salata, Halperin und Major les Planches, um nur einige zu nennen. Bei den deutschsprachigen Werken sieht es nicht viel besser aus. Von der gesamten Memoirenliteratur werden nur en passant die Denkwürdigkeiten Vitzthums erwähnt (S. 149 Anm. 41). Dieses Ignorieren der Spezialarbeiten läßt sich leider auch bei den zitierten Aktenstücken feststellen. Es fehlen die Edition der österreichischen Gesandtschaftsberichte aus Rom durch Stefano Jacini (II Tra- monto del Potere Temporale etc., Bari 1931) und das große französische Aktenwerk „Les Origines diplomatiques de la guerre de 1870/71“, das in 29 Bänden auch die wichtigsten Akten für die französische Politik gegenüber Italien und dem Kirchenstaat enthält. Oncken, Die Rheinpolitik Kaiser Napoleons III. von 1863 bis 1870, wird zwar einmal genannt (S. 135 Anm. 8), aber in der Folge bei den zitierten Akten keine Rücksicht darauf genommen, ob sie in Oncken enthalten sind oder nicht. Unverständlich ist, daß auch die Gesamtedition der Werke Bismarcks keine Berücksichtigung findet. So hätten einfache Verweise auf Oncken bei Anm. 9, 10, 22 und 38 genügt, die Anmerkungen 49, 70, 81, 84 und 87 enthalten bei Jacini edierte Berichte, Anmerkung 44 und 86 finden sich im Band 6 b von Bis