Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

564 Literaturberichte Österreich-Ungarn vorsah, stützte sich der Romagnole Marco M i n g h e 111 auf die starke Gruppe des Sella und identifizierte sich wider besserem Wissen und Gewissen mit deren Eisenbahnprogramm. Von Freund und Gegner daher in gleicher Weise, wenn auch unter diametral entgegen­gesetzten Parolen bekämpft bzw. im Stiche gelassen, kam Ministerpräsi­dent Minghetti am 21. III. 1876 durch die sogenannte „parlamentari­sche Revolution“ zum Sturze. Wenn auch Aldo B e r s e 11 i hier ein Thema aus der Innenpolitik, das außerhalb Italiens nur ein beschränktes Interesse finden mag, aufgreift, so gebührt seiner Darstellung, schon auf Grund der eingangs erwähnten beispielgebenden Art der Auswahl und Behandlung des Quellenmaterials uneingeschränkte Anerkennung. Den Beweis, daß im ersten Buch der „Discorsi“ Niccolo Macchia­veil i’s nicht die schon von P o 1 y b i o s entwickelte Theorie eines zyklisch abrollenden Geschichtsablaufes wieder aufgegriffen worden ist, trachtet die geschichtsphilosophische Abhandlung Gennaro S a s s o’s „Macchiavelli e la teória dell’ anacyclosis“ zu erbringen. Während der Grieche Aufstieg, Verfall und Wiedergeburt der Gemeinschaften nach dem Naturgesetz und daher in regelmäßig wiederkehrender Folge vollzogen wissen will, macht der Florentiner politische Macht und Schwäche einzig und allein von der Tüchtigkeit und dem Versagen der Regenten bzw. der Rechtsprecher, also vom Menschen selbst, und eine sich möglicherweise wiederholende geschicht­liche Entwicklung nur vom Zufall abhängig. Diese Gedanken werden zwar stilistisch formvollendet, jedoch in übertriebener Breite und sich oftmals wiederholend, vorgetragen. Nicht restlos überzeugend wirken S a s s o s Bemühungen, die für die „Discorsi“ geglückte Beweisführung auch auf die „Istorie Fiorentine“ zu übertragen, wo Macchiavelli sich den Ansichten Polybios merklich genähert hat. Als am Abend des 25. Mai 1795, dem 1. Prairial, die unter dem Ruf „Du pain et la Constitution de 93“ am Morgen desselben Tages ausgebro­chene Aufstandsbewegung durch die dem Konvent treugebliebenen Truppen niedergeschlagen werden konnte, war das nach der Liquidierung Robes­pierre’s und Genossen sich abzeichnende Ende der Bergpartei zur ge­schichtlichen Tatsache geworden. Durch ihren Anschluß an diesen Auf­stand, den sie in der Folge weder kontrollieren, geschweige denn erfolg­reich zu führen vermochten, hatten Romme, Gouyon, Duroy und noch einige andere gleichgesinnte wirklichkeitsfremde und an die Heilig­keit ihrer Ideale blindglaubende Schwärmer die Reinheit der Revolution zu retten gehofft. Die Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen, ergriffen sie nicht. Vereint in brüderlicher Treue, erwarteten sie den Prozeß, dessen Ausgang kein zweifelhafter sein konnte. Unter Veröffentlichung zahlreicher Briefe der Verschworenen hat Alessandro Galante-Ga rönne diese Endphase der französischen Revolution in dem Aufsatz „I martiri di Pra- tile“ aufgegriffen und in epischer Sprache jene Männer, die im Begriffe, den Henkerkarren zu besteigen, in tragischer Größe den Freitod wählten, der Nachwelt in Erinnerung gebracht. Das bitterste Kapitel der italienischen Militärgeschichte wird von dem mittlerweile verstorbenen General Mario Caracciolo di Feroleto, der die 5. Armee in den spannungsreichen Wochen vor und in den dramatischen

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