Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413
Die Grundherrschaft der Herren von Arco 49 Wie die meisten Grundherren des Mittelalters, so besaßen auch die Herren von Arco weitgehende Allmendrechte. Dieses Hecht umfaßte das Weide- und Wasserrecht, sowie die Nutzung des Waldes für alle Grundbesitzer einer bestimmten Gemeinde. Hatte man früher daraus ein ursprüngliches Kollektiveigentum herauslesen wollen, so ist man heute der Ansicht, daß in ei'ster Linie der Grundherr der Besitzer der Allmende war 293), der den übrigen Dorfbewohnern nur ein beschränktes Nutzungsrecht einräumte. Wer in einem Dorf die niedere Gerichtsbarkeit ausübte, behielt sich das Obereigentum über die Allmende, welches Hecht später an den Landesfürst überging 294). Tatsächlich waren die Herren von Arco in der älteren Zeit Obermärker der Allmende von Arco, die bei Linfano lag. Dies ergibt sich aus einer Zeugenaussage über das Weiderecht dieses Ortes aus dem Jahre 1201 295): Als mehrere Bewohner der Talgemeinde ihre Pferde in Linfano weiden lassen wollten, wandten sie sich an die Brüder Ulrich und Friedrich von Arco, die ihnen auf Rat der Nachbarschaft (vicinorum Arci) die Erlaubnis erteilten. Auch das Herrengeschlecht hatte hier seine Pferde und sein Vieh weiden lassen. Die Allmende bestand aus Weiden und Wäldern. Während wir über die Holznutzung der Wälder nichts erfahren, wird hingegen die Jagd häufig als Pertinenzformel neben dem Weiderecht in den Urkunden erwähnt 296). Auf Grund der Ausbildung des Waffenhandwerkes konnte der Adel besser als der Bauer das Jagdrecht in den Allmendwäldern nutzen, weshalb er sich auch bald, gestützt auf sein Obereigentum, die Jagd auf bestimmte Wildarten vorbehielt. Schon die Weistümer des 12. Jhd. sprechen für die Bauern das Verbot aus, auf Hochwild, Hasen, Fasane und Falken zu jagen 29'’). Wenn es daher im Jahre 1201 anläßlich eines Grenzstreites zwischen den Gemeinden Riva und Arco heißt 298 *), Albert von Arco habe um das Jahr 1170 bei Linfano auf Fasane gejagt, so muß es sich hierbei nicht um eine Eigenjagd gehandelt haben, sondern um das Recht, auf der Allmende von Arco, die bei Linfano lag, zu jagen. Diese Fasane werden mit Falken gejagt worden sein, an denen die Herren von Arco im 14. Jhd. einen großen Bedarf hatten. Fast in jedem der erhaltenen Briefe an die Herren von Gonzaga in Mantua 2") ist die Bitte um Entsendung eines Falkens oder Sperbers enthalten. Gelegentlich wird auch ein Jagdhund erbeten. Zu Beginn des 15. Jhd. läßt sich ein 293) H. Pirenne: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, S. 64. 294) H. Wopfner: Das Allmendregal, S. 20 ff.; E. Werunsky: Österr. Reichsund Rechtsgeschichte, S. 734; H. Wießflecker: Meinhard II., S. 171. 295) Stadtarchiv Arco, Dozz. 13. 296) So 1253, Archiv Mantua, Busta 9; Landesarchiv Tirol, Parteibriefe, Nr. 11. 297) H. Wopfner: Allmendregal, S. 65. 298) Stadtarchiv Arco, Dozz. 13. 2") Staatsarchiv Mantua, Gonzagabriefe. Mitteilungen, Band 12 4