Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

534 Literaturberichte 1791 die Studien- und Zensurhofkommission auf und wies ihre Agenden der Hofkanzlei zu, was ein Zeichen „für das endgültige Aufräumen mit dem josephinischen Zensursystem“ war (S. 240). Das Werk des ungarischen Gelehrten stellt somit einen bedeutsamen Beitrag zur Geschichte des Josephinismus dar, der eine tiefe Lücke ausfüllt und eine bisher kaum zulänglich gewürdigte Vorstufe des Geisteslebens der habsburgischen Länder im 19. Jahrhundert klarlegt. Es enthält am Schluß eine knappe russische Inhaltsangabe, aber leider weder Titelblatt noch Index, und ist auf gutem Papier, beinahe fehlerfrei gedruckt (vgl. nur z. B. S. 67 „ergränzende“, S. 143 „genenseitigen“, S. 128 wird eine verbotene Schrift unter „Politisches Schrifttum“ erwähnt, die (richtig) auch S. 192 angeführt erscheint. Josef wird konsequent mit „ph“ ge­schrieben u. ä.). Sowohl wegen seiner mittlerweile zum größten Teil ver­loren gegangenen Unterlagen, als auch ob seines hohen wissenschaftlichen Niveaus und seiner besonders hervorzuhebenden unbestechlichen Sachlich­keit wird die Arbeit Oskar Sashégyis bei jeder künftigen Darstellung Josefs II. und seiner Zeit unentbehrlich sein. Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Nationalitätengeschichte. Folberth Otto, Der Prozeß Stephan Ludwig Roth. Ein Kapitel Nationalitäten- Geschichte Südosteuropas im 19. Jahrhundert. (Veröffentlichungen der Ar­beitsgemeinschaft Ost. Bd. I.) XV u. 384 S. mit 15 Abb. u. einer Karten­skizze. Böhlau-Verlag. Graz-Köln 1959. Es ist Otto Folberths außerordentliches Verdienst, die geschichtliche Bedeutung des am 11. Mai 1849 von den Schergen Kossuths nach kriegs­gerichtlicher Aburteilung erschossenen evangelischen Pfarrers Stephan Ludwig Roth nicht nur für seine siebenbürgisch-sächsische Heimat, son­dern auch für das zum Schicksal der österreichisch-ungarischen Monarchie und darüber hinaus zur entscheidenden Frage Europas gewordene Natio­nalitätenproblem klargestellt und überzeugend herausgearbeitet zu haben. Seit Jahren mit der Sammlung der Schriften Stephan Ludwig Roths und der Sichtung des Materiales über ihn beschäftigt, gelingt es Folberth dank seiner profunden Kenntnis aller Einzelheiten des Lebensablaufes Roths und der geschichtlichen Ereignisse, in die er hineingestellt wurde, in dem vorliegenden Buch trotz thematischer Begrenzung -—■ es soll hier nur die politische Leistung Roths gewürdigt werden — das vielschichtige Wesen dieses Märtyrers seines Volkes sichtbar zu machen. Mit Land und Leuten wohl vertraut, weil selber sächsischen Stammes, gibt Folberth ein lebendiges und ungemein farbiges Bild der durch den magyarischen Auf­stand verursachten, Siebenbürgen verheerenden Wirren, in die einzugrei­fen amtlicher Auftrag, aber doch auch innere Berufung den evangelischen Pfarrherrn von Meschen bestimmte. Sehr klug stellt Folberth vor die Darstellung des Revolutionsgesche­hens die Schilderung der politischen Tätigkeit Roths im Vormärz und macht so die Rolle, die dieser 1848/49 gespielt hat, erst verständlich. Mit Recht rückt er hier eine gedankliche Zergliederung der Schrift Roths: „Der

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