Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 499 werden. Für die Benützung, die nur bis 16 Uhr möglich ist, sind Gebühren zu entrichten; auch für schriftliche Auskünfte an private Forscher sind solche vorgesehen. Keine Angaben enthält die Einleitung darüber, ob für die jüngsten Jahrgänge der Akten eine Beschränkung der Einsichtnahme besteht. Der Inhalt dieses gut gelungenen Übersichtsinventars über die Registraturen der obersten Reichsbehörden bis 1945 mahnt uns an den unwürdigen Zustand der Teilung Deutschlands. Hoffen wir, daß die Wiedervereinigung und damit auch der Zusammenschluß der Archive in Koblenz und Potsdam in absehbarer Zeit möglich sein wird. Hanns J äger-Sunstenau (Wien). Lehmann Rudolf, Übersicht über die Bestände des Landesarchivs Lübben / NL. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1958. VIII + 142 Seiten, 5 Abbildungen. Als Band 1 der „Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs“ wird die vorliegende Bestandsübersicht über das lokale Landesarchiv der Niederlausitz vorgelegt. Diese gehörte seit dem 14. Jahrhundert zur böhmischen Krone, gelangte 1620, bzw. 1635 an Sachsen und sodann nach und nach an Brandenburg, dem sie ab 1815 zur Gänze angehörte. Eigene Stände sind bereits seit 1411 nachweisbar. Ihr Einflußbereich wurde erst seit 1815 eingeschränkt, im besonderen nach 1918, doch haben noch bis 1945 gewisse Selbstverwaltungsfunktionen bestanden. Von einem Archiv der Stände kann ab 1664 gesprochen werden, als in Lübben ein eigenes ständisches Landhaus erbaut worden war. Die älteren Archivalien waren in den privaten Schloßarchiven ständischer Funktionäre verblieben. Zunächst hat es sich um ein umfangmäßig eher bescheidenes Archiv gehandelt, bis ihm 1850 umfangreichere Registraturen staatlicher Provenienz übergeben wurden. Von da an war es ein richtiges Landesarchiv, dem seit 1924 ein wissenschaftlicher Archivar Vorstand. Seit 1949 sind infolge der politischen Zustände in Ostdeutschland viele Herrschaftsarchive zugewachsen, von denen allerdings die meisten durch die turbulenten Ereignisse ab 1944 merklich dezimiert worden waren. So präsentiert sich das Archiv jetzt als ein für seinen örtlichen Bereich gewichtiges wissenschaftliches Institut, zumal dort auch Aufzeichnungen über Bestände anderer Archive in Deutschland und Prag vorhanden sind, die in irgendeiner Weise die Niederlausitz betreffen. Schmerzlich ist es freilich für den Archivar von Lübben, daß sich gerade seine ältesten und damit in mancher Sicht wertvollsten Stücke als Erbschaft bombensicherer Unterbringung während des Krieges in Göttingen in Westdeutschland befinden. Die Gliederung der Übersicht hält sich mit ihren Abschnitten richtigerweise an die Hauptgruppen der Archivbestände. Die 1293 Urkunden werden nicht in einer gemeinsamen Reihe aufbewahrt, sondern getrennt nach Provenienzen, also nach durchaus modernem Gesichtspunkt. Als weitere Gruppen erscheinen die Archive der Städte, der staatlichen Oberbehörden für die Niederlausitz, der Herrschaften und Güter, von Städten, verschiedener anderer Stellen (Gerichte, unterer Verwaltungsbehörden, Pfarrgemeinden, Handwerksinnungen) und schließlich Pläne, Sammlungen und Nachlässe, 32*