Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

496 Literaturberichte in der es nicht mehr um das Selbstbestimmungsrecht geht, sondern um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Uns will es aber scheinen, daß der Kampf um die Hegemonie erst ein halbes Jahr später mit dem Einmarsch Hitlers in Prag beginnt und schließen uns lieber der Meinung Paul Klukes im Geleitwort zu dem vorliegenden Buche an und sehen in München noch den Abschluß eines früheren Zeitabschnittes. Rudolf Neck (Wien). Archivwissenschaft, F a v i e r Jean, Les Archives („Que sais-je?“. Le Point des connaissances actuel­les, no 805). Presses universitaires de France, Paris 1959. 127 Seiten, brosch. Innerhalb einer weitgespannten Kleinbandreihe mit Beiträgen aus den verschiedensten Gebieten des modernen Wissens erscheint nun auch diese kleine Archivkunde, die wohl in erster Linie als Studienbehelf gedacht ist. Der Autor ist wissenschaftlicher Archivar am Nationalarchiv in Paris, des­sen Leitung es systematisch anstrebt, die französischen Archive den Schü­lern zugänglich zu machen und weitere Kreise anzuziehen. Dieses Bändchen verfolgt dieselbe Linie. Nach einer kurzen Einleitung, in der die wichtigsten archivalischen Begriffe wie Fonds, Sammlung, Provenienzprinzip etc. erläutert werden und auch ein Blick auf ganz neue Arten von „Archiven“ zur Aufbewahrung von Druckschriften, Filmen, Tonbändern und Schallplatten geworfen wird, umfaßt dann der erste Abschnitt die Geschichte der Archive, der zweite die eigentliche Archivistik und der dritte gibt eine Übersicht über die wich­tigsten Archive Europas. Der historische Abriß nimmt weitgehend die französischen archivge­schichtlichen Verhältnisse zur Grundlage. Daraus erklärt sich auch die Dreiteilung: ,,1’antiquité et le moyen -äge“,— „l’époque moderne“, bis 1789 reichend, — und „l’époque contemporaine“, von der großen Revolution an. Tatsächlich ist die Revolution der große Einschnitt in der Geschichte Frankreichs und auch des französischen Archivwesens. Seit dem späten Mittelalter war die Rolle, die zunehmend königlichen Notaren in Frankreich zukam, eine sehr gewichtige. Deren Archivalien bilden neben den feudalen sehr umfangreiche Bestände, die man sich heute mehr denn je zu retten und zu erschließen bemüht. Es wird dann eingehend gezeigt, wie seit dem 16. Jahrhundert der Staat bemüht war, wichtige Akten aus den Nachlässen großer Staatsmänner an sich zu ziehen, eine Forderung, die z. B. Franz I. schon an den Kanzler Duprat im Jahre 1535 gestellt hatte, die aber im 17. Jahrhundert noch gar nicht durchgedrungen war. Es wird jedoch betont, daß immerhin zu Ende des Ancien Régime die Sicherung staatlicher Archivalien im wesentlichen gewährleistet war, und daß damals schon Programme und Ideen einheit­licher Organisation bestanden haben, die von der Revolution geerbt und verwirklicht wurden. Die revolutionäre Archiv Verwaltung bewerkstelligte die Zentralisation der staatlichen Archive, die Schaffung des National­archivs in Paris und die Organisierung der Departementarchive. Neben den Lichtseiten werden aber auch die Schattenseiten der Archivgeschichte jener

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