Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 491 denheiten auch mit Hitler, namentlich in der späteren Zeit hingewiesen wird. So kommt der Antikominternpakt 1936 mit seinen geheimen mili­tärischen Zusatzabkommen, die sich gegen die Sowjetunion auch als Staat richten, auf eine diplomatisch sehr unkonventionelle Art zustande. Aber auch weiterhin bleibt das japanische Vorgehen gegen China dem deutschen Verbündeten unbequem und führt zur ersten großen Krise dieser Entente. Deutschland war vor allem im Hinblick auf seinen ausgedehnten Chinahandel an einer Bereinigung des ostasiatischen Konfliktes inter­essiert, doch mißlang die Vermittlungsaktion völlig. So opferte das Dritte Reich seiner Ideologie gemäß den schwächeren Partner für den stärkeren. Der Verf. schildert dann in einem eigenen Kapitel die Erweiterung des Bündnisses zu einem „weltpolitischen Dreieck“ durch den Beitritt Italiens. Auch hier gab es lange Zeit Schwierigkeiten, insbesondere wegen der japanischen Interessen in Äthiopien. Der Anschluß der europäischen und asiatischen Satelliten an die Allianz wird im vorliegenden Werk über­haupt nicht erwähnt. Da man bald auf beiden Seiten erkannte, daß der Antikominternpakt seiner ganzen Struktur nach ein Instrument für Friedenszeiten, aber kaum für den Krieg sein konnte, war man an einem Ausbau bzw. an einer Neu­gestaltung des Bündnisvertrages interessiert. Allerdings war man in Japan, durch die Ereignisse des Jahres 1938 gewarnt, vorsichtig, nicht in einen europäischen Krieg hineingezogen zu werden. Deutschland andererseits bereitete damals schon die große Wendung in seiner auswärtigen Politik vor, wobei ihm ein Pakt, der sich nur gegen die UdSSR, richtete, von ge­ringem Nutzen sein mußte. Dabei wurde aber die weltpolitische Rolle der Vereinigten Staaten, gegen die sich später der Dreimächtepakt in erster Linie richten sollte, überhaupt nicht ins Kalkül gezogen. Der schwersten Belastung war jedoch das Bündnis zweifellos durch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August 1939 ausgesetzt. Japan schritt damals zu einem formellen, wenn auch nicht sehr energischen Protest, umso mehr, als Tokio zum Unterschied von Rom über die voran­gegangenen deutsch-russischen Verhandlungen von Deutschland nicht in­formiert worden war. Dabei hatte Japan in gewissem Sinn — wie der Verf. richtig hervorhebt —- durch seine Weigerung, den Pakt gegen die West­mächte auszuweiten, Hitler und Stalin einander näher gebracht. Die Iso­lierung Japans wurde aber sehr bald durch den Kriegsausbruch in Europa gemildert, da es jetzt wieder außenpolitisch freiere Hand hatte. Die Kriegsereignisse des Jahres 1940 in Europa mußten sich auch auf die Haltung Japans auswirken, vor allem wegen der holländischen und französischen Kolonien in Südostasien. Hitler und Ribbentrop hatten richtig vorausgesehen, daß die schwere Krise, in die das Einvernehmen beider Staaten durch den Hitler-Stalin-Pakt geraten war, unter dem Ein­druck der deutschen Waffenerfolge bald überwunden sein würde. Nach der Beendigung des Westfeldzuges war aber Hitler mit Rücksicht auf Frank­reich, dessen Imperium er schonen wollte, und auch in der Hoffnung auf englische Nachgiebigkeit nicht mehr an einen Kriegseintritt Japans inter­essiert. Indessen hatten sich in Japan mit dem zweiten Kabinett Konoye immer

Next

/
Thumbnails
Contents