Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika
Konstantin Reitz 301 sich mit der Pforte auf guten Fuß zu stellen und führte eine Reihe segensreicher Neuerungen im Lande ein. — Etwa zwei Jahre vor diesem Regierungswechsel hatte Konstantin Reitz seine Reise nach Ägypten angetreten; über ihren Verlauf ist uns im einzelnen nichts bekannt. Er betrat das Land der Pharaonen wie jeder Reisende in Alexandria, dann fuhr er nach Kairo20), von wo aus seine beiden Freunde wahrscheinlich die Heimreise antraten. Er selbst aber blieb in Ägypten zurück und tat nun den für die wenigen Jahre seines ferneren Lebens entscheidenden Schritt: er trat in die Dienste der Vertretung der österreichischen Regierung in Ägypten. Österreich hatte schon 1767 eine Konsularvertretung in Alexandria eingerichtet, die von einem Vizekonsul versehen wurde. Im Jahre 1804, drei Jahre nach dem Abzug der Franzosen, wurde ein Generalkonsulat in Kairo errichtet. Es wurde 1823 nach Alexandria verlegt, während jetzt Kairo von einem Vizekonsul betreut wurde. Konstantin Reitz wurde anfangs in Kairo beschäftigt, kam aber von da bald an das Generalkonsulat in Alexandria, wo er am 4. März 1848 zunächst widerruflich als Archivist und Protokollist eingestellt wurde. Sein Vorgesetzter, Generalkonsul von Lau rin, muß wohl sehr schnell gemerkt haben, welch tüchtigen und zuverlässigen Mitarbeiter er in Reitz gewonnen hatte, denn er überließ ihm schon am 26. April, also nach knapp zwei Monaten, auch vertretungsweise den Posten des Kanzlers (Kanzleivorstehers). Am 1. Juni 1848 wurde er mit 960 Gulden Jahresgehalt fest angestellt, und in demselben Monat übertrug man ihm auch noch die Stelle des Kassenwarts der Konsularkassen, so daß er schließlich drei Ämter zugleich versah. Als Laurin im Oktober oder November eine Reise nach Kairo antrat, konnte er Reitz, der ihn schon vorher gelegentlich für kurze Zeit vertreten hatte, als Verweser des Generalkonsulats zurücklassen21 )• Aus diesen wenigen Angaben über seine Dienstlaufbahn können wir schließen, daß das Jahr 1848 für Reitz eine Zeit angestrengter Arbeit gewesen sein muß. Galt es doch für ihn, sich in eine ganz neue Welt hineinzufinden, sich vertraut zu machen mit den Lebensbedingungen eines fremden Landes, mit der Sprache, der Eigenart, den Sitten seiner Bewohner, und sich einzuarbeiten in einen Beruf, dessen besondere Anforderungen ihm bis dahin ein ganz unbekanntes Gebiet gewesen waren. Jetzt endlich hatte er Gelegenheit, die ihm eigentümlichen Gaben, Zähigkeit in der Verfolgung des erstrebten Zieles, Selbstzucht und eisernen Fleiß, Sprachbegabung, Menschenkenntnis und klaren Blick für das Zweckdienliche, zu entfalten und zur vollen Geltung zu bringen. Kein Wunder, daß er sehr 20) Vom damaligen Kairo und seinem Leben und Treiben entwirft Bogumil Goltz, den Eduard Engel in seiner Geschichte der deutschen Literatur mit Recht einen „Dichter in Prosa“ nennt, a. a. O., S. 233, eine begeisterte Schilderung. 21) Die Angabe bei August Römheld, a. a. O., S. 51, man habe ihn „mit wichtigen Missionen betraut, wie z. B. nach Palästina“, konnte nicht nachgeprüft werden.