Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

266 Karl Otmar Freiherr von Aretin sein21). Am 19. April wurde ihm das Kommando über die Truppen in Mailand übertragen. Er konzentrierte die wenigen vorhandenen Soldaten in den Kasernen und gab damit die Straße dem Pöbel frei. Die Revolution in Mailand kam überraschend. Nach der Kapitulation von Mantua vom 16. April sollte das Gebiet von Mailand von den Österreichern zunächst nicht besetzt werden, sondern unter der Oberhoheit Beauharnais’ verbleiben. Gegen die verhaßte französische Fremdherrschaft, deren Exponent Beau­harnais durch seine Nachgiebigkeit gegenüber Napoleon geworden war, richtete sich der Aufstand. Im wesentlichen wurde er von österreich­freundlichen Elementen getragen, doch beteiligten sich daran auch An­hänger Murats. Das nationale Italien war durch Pino und eine Reihe von Patrioten und Literaten vertreten, mit denen Weiden im Salon einer be­freundeten Dame in Verbindung kam, was später zu der Mißdeutung Anlaß gab, Weiden sei ein österreichischer Agent gewesen, der den Aufstand angezettelt habe22). Pino kommt in der gesamten französischen Literatur sehr schlecht weg und wird auch von den italienischen Historikern nicht gut behandelt. Ob die von Du Casse geschilderten Begebenheiten im einzel­nen stimmen, etwa daß Pinos persönliche Feindschaft zu dem Finanzminister Prina der Grund zu dessen scheußlicher Ermordung gewesen sei, ist schwer nachzuweisen23). Sein Verhalten in Mailand machte ihn für kurze Zeit zum „großen Mann Italiens“, wie Ugo Foscolo ihn damals bezeichnete. Der Verlauf der Revolution selbst, die von den Franzosen spöttisch die Bataille des parapluies genannt wurde, weil an dem regnerischen Tag die vielen Regenschirme als Waffe benützt wurden, deren Qualität für viele Beob­achter als Anzeichen dafür gewertet wurde, daß sich die Mailänder Bürger­schaft an den Ausschreitungen beteiligt hatte, ist kurz geschildert. Schon bald geriet die Aktion in die Hand des Pöbels, die den Finanzminister Prina lynchte und dessen Palais zerstörte24 *). Schon am 21. April konnte Pino die Ordnung wieder herstellen, wozu Weldens unerwartetes Auf­tauchen einiges beitrug. Der Ruf, Österreicher seien an der Porta Romana, ließ die aufgeregte Menge dorthin ziehen. Weldens Auftauchen wurde, ohne daß sein Name genannt wird, verschiedentlich ausgedeutet. Der öster­reichische Historiker Frhr. v. Helfert bezeichnet das Auftauchen öster­reichischer Offiziere als ein vom General Polfranceschi erfundenes Ge­21) Vgl. F. Lemmi, a. a. 0., S. 155; Frhr. v. Helfert, Ausgang der französi­schen Herrschaft in Oberitalien und die Brescia-Mailänder Militärverschwörung, Wien 1890, S. 34. 22) Vgl. Giovanni Castro, La caduta del regno italico, Milano 1882, S. 180 f. 23) A. du Casse, Mémoires et correspondance politique et militaire du Prince Eugene, Band 10, Paris 1860 S. 171-—74. Ähnliches berichtete auch F. Lemmi, a. a. O., S. 110, der allerdings mehr von Geldgeschichten schreibt und Pinos Haltung bei der Ermordung Prinas für Ungeschicklichkeit hält. 24) Die Ermordung Prinas wird von Helfert, a. a. O., S. 39—45 und von F. Lemmi, a. a. O., S. 165 ff. in allen Details geschildert.

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