Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden
262 Karl Otmar Freiherr von Aretin adjutanten des Kaisers, Graf Grünne, Klagen gegen dessen Armeeführung. Selbst der Generaladjutant des Fürsten war unter seinen Anklägern12). Den Kommandowechsel in Ungarn im April 1849 unter dem Aspekt einer Intrigue zweier Generale zu schildern, verrät wenig Kenntnis der Zusammenhänge. Windischgrätz war ja nicht nur Soldat, sondern wie sein Schwager, der Ministerpräsident Fürst Felix Schwarzenberg, in erster Linie Staatsmann. Er hat seine Aufgabe als Oberbefehlshaber der Armee in Ungarn auch immer unter diesem Aspekt gesehen. Inwieweit die zwischen den Schwägern bestehende Rivalität bei den Vorgängen eine Rolle spielte, kann hier außerhalb der Betrachtung bleiben. Fürst Windischgrätz hat zwar an Weiden seine Erfolglosigkeit kritisiert, ihn aber nie für den Schuldigen bei der Intrigue um seine Ablösung gehalten, die nach den geschilderten Begebenheiten wahrscheinlich gar keine Intrigue, sondern eine logische Folge der Ereignisse war. Windischgrätz hat dieses Ereignis immer seinem Schwager Schwarzenberg angekreidet und dürfte dafür auch seine Gründe gehabt haben13). Weiden nahm, nachdem er noch kurze Zeit als Militärgouverneur von Wien gewirkt hatte, 1851 seinen Abschied und ist am 7. August 1853 in Graz gestorben. Über den Feldzug der Jahre 1848/49 hat Weiden 1852 sein erstes fachwissenschaftlich militärisches Werk veröffentlicht14). Es erlebte innerhalb eines Jahres eine zweite Auflage und wurde 1855 erneut aufgelegt. Dieses Buch ist bezeichnenderweise keine Verteidigungsschrift, sondern eine ganz nüchtern gehaltene Darstellung der Feldzüge von 1848/49, an denen Weiden teilgenommen hatte. Seines ungünstigen Titels wegen wurde es später häufig übersehen. Weiden wollte, wie er in der Einleitung schrieb, an Clausewitz bewußt anknüpfend und auch in dessen Art schildernd, auch die anderen drei Feldzüge seines Lebens behandeln. Von diesen Manuskripten ist 1853, kurz nach seinem Tod, „Der Krieg der Österreicher in Italien gegen die Franzosen in den Jahren 1813 und 1814“ erschienen, wobei Weiden insbesondere auch die Angaben Eugen Beauharnais’ verwandte, die ihm dieser in den hier im Anhang geschilderten Gesprächen machte. Weldens Tochter, die Frau des österreichischen Ministerpräsidenten Richard Graf Belcredi (1865—67), bemühte sich um die Herausgabe der beiden anderen Manuskripte, von denen „Der Krieg im Jahre 1812 gegen Rußland“ 1870 und „Der Krieg von 1809 zwischen Österreich 12) Vgl. Conte Corti, a. a. O., S. 21; P. Müller, a. a. O., S. 228; Auch der am 12. 4. 1849 von Ofen zurüekgekehrte Frhr. v. Kübeck gab ein vernichtendes Bild von den Zuständen im Hauptquartier. Die Diskussion darüber im Ministerrat veröff. H. Kerchnawe, Ministerratsprotokoll v. 13. 4. 1849, a. a. O., S. 365, ohne freilich daraus irgendeine Konsequenz zu ziehen. 13) Vgl. E. Heller, Fürst Felix Schwarzenberg, Mitteleuropas Vorkämpfer, 1933, S. 54 ff. 14) L. Frhr. v. Weiden, Episoden.