Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

HRAZKY, Josef: Die Persönlichkeit der Infantin Isabella von Parma

186 Josef Hrazky dann wird es über den Befehl böse und will künftig nicht mehr nachgeben. Um seine Halsstarrigkeit zu brechen, muß man Gewalt gebrauchen und er­zielt nur knechtische Furcht. Wer vor Kindern nur seine Autorität geltend macht, verzichtet für immer auf ihre Liebe. Aber Herzen vergewaltigen zu wollen, geht gegen Vernunft und Erfahrung. Der Mißbrauch der Autorität erzeugt Sklaven, ertötet den Wetteifer, die Freude am eigenen Handeln und Denken. Das Edelste im Kind wird erstickt. ,,Der Mensch ist frei und mit der Liebe zur Freiheit geboren; hat er sie auch niemals wirklich, so trachtet er doch immer nach ihr“ 18). Was hier angeführt wurde, soll die Bemühung der Verfasserin um einen logisch geordneten Aufbau belegen. An klugen Apergus ist auch in allen übrigen Abhandlungen aus ihrer Feder kein Mangel. Erstaunlich ist die sprachliche Gewandtheit, die ihr erlaubt, weitausholende Gedankengänge in knappen Sentenzen zusammen zu fassen. Wenige Blätter sind von diesen Auszügen in Isabellas eigener Hand erhalten 19): „wie man Vergnügen genießen soll, was von der Modephilosophie zu halten ist, wie man über andere urteilen soll, von der Arbeit und dem Fleiß, von der Freundschaft“. Das waren die Papiere, in denen Joseph Trost nach dem Verlust seiner Gattin suchte und die ihm, dem einsamen, aufgewühlten Hinterbliebenen, so wenig sonst Phantasie sein Erbteil war, wenn er darin blätterte, ihre schlanke Gestalt, ihre warme liebe Stimme vor die Sinne zauberten. In Abschriften hinterließ sie außerdem: „Pieces sur la Morale, autres différentes pieces, un Traité sur la Religion“, endlich „Vues sur le Com­merce“, die Arneth und A. Wolf kurz anführen. Die Abhandlung „Vues génerales qu’on doit avoir pour bien élever un Prince“ und eine ähnliche deutsche Studie, ferner die „Observations sur les Prussiens“ sind Material, das die Prinzessin für sich und den Kron­prinzen gesammelt hat. In Verbindung mit den „Méditations chrétiennes“, die die Kaiserin drucken ließ, ergeben sie ein stattliches Werk. Viel tiefere Einblicke in ihr Fühlen und Denken gewähren die Aufsätze, die sie Marie Christinen schenkte und zum Teil auch von den beiden Obersthofmeisterinnen begutachten ließ, wie einige Billette beweisen20). Erhalten sind, in der vermutlichen Abfolge ihrer Entstehung auf­gezählt : 1. Reflections faites dans la solitude. 2. Le vrai philosophe. 3. Traité sur les hommes. 4. Les charmes de la fausse amitié. 5. Sur le sort des princesses. 6. Les exercices de l’Esprit. 7. Les aventures de l’Etourderie. is) Reflections sur l’education, föl. 20. i») A. a. 0., Föl. 186—9. 2°) Briefe X. 20., X. 30., VI. 19.

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