Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
80 Richard Blaas Partei blieb, sobald sie von dem Verzicht des Reichshofrates Lindenspühr erfahren hatte, nicht untätig. Der toskanische Resident in Wien, Abbate Marchetti, ließ ein Schreiben nach dem anderen auf den Reichshofrat los, um den Kandidaten der Medici-Kardinäle, den Kölner Thomas Quentl, durchzubringen, doch wurden diesmal auffallenderweise alle Invektiven gegen Emerix weggelassen 168). Aber trotz der von allen Seiten erneuerten Interventionen und Kommendationen kam die Besetzungsfrage nicht vom Fleck, bis dann im Februar 1659 der Reichsvizekanzler dem Kaiser die Besetzung des kaiserlichen Auditoriates als dringlich vorschreibt, weilen bffters sacken Vorfällen umb derentwillen wohl nötig were, aine aigne persohn zue Rom zuehaben, zuemahlen der H. Card. Columna nunmehr auch bei jahren und guet, daß vor dessen todtfall andere subjecta zu denen negociis abgeen und introducirt werden ... — und der kais. Auditor ja auch — in negociis politicis zuegebrauchen proponirt werden honte169). Wiederum wird zunächst aus dem Bestreben heraus, diesmal einen Erblanduntertanen, einen Österreicher, mit dieser Stelle zu betrauen, ein Gutachten des innerösterreichischen Guberniums eingefordert, aber offenbar waren geeignete Kandidaten schwer aufzutreiben, denn neben Sprach- kenntnissen, juristischem Wissen, praktischer Erfahrung in der kúriaién Praxis war doch auch eine beachtliche finanzielle Basis notwendig, um sich auf diesem römischen Posten ohne Forderungen an die Hofkammer behaupten zu können. Die innerösterreichischen Räte schlagen noch einmal den Kärntner Franz Locatelli als ein nationalis austriacus neben zwei Guber- nialräten Peter dell’Argento, Lorenz Bottoni und dem Brixner Domherrn und salzburgischen Konsistorialkanzler Kirchner, von dessen Zustimmung zur Übernahme dieses Amtes die Räte selbst im Zweifel sind, vor170). Am 9. Juni 1659 erstattet der Reichshofrat endlich nach eingehenden Beratungen sein Gutachten und schlägt Emerix für die Stelle vor, weil er nicht allein mit genugsamber gelehrtighheit undt erfahrenheit, sondern auch mit solchen lebensmitlen versehen, daß er pro decore E. kais. Maj. undt der löbl. Teutschen Nation auch ohn entgeldt E. kais. Maj. Hof Cammer beede officia bedienen khönte: gestalt er sich schon vorlengst darzue erpotten, auch nicht allein von dem H. Card. Columna undt beiden teutschen Card, von Harrach undt von Hessen, wie auch von dem P. Generali Societatis Jesu, einem gebohrnen Teutschen, undt fast von allen teutschen Cavagliren, so ihn practicirt, und sonderlich von Ew. kais. Maj. gehaimben Rath den Graf von Trautssohn für ein sonders ansehenliches undt der teutschen Nation wohl anstehendes, undt dienstsambes subjectum: sondern auch von * 17 168) 1. c. Der toskanische Resident Abbate Marchetti überreichte drei Denkschriften bezüglich der Auditorernennung an Leopold I. und eine an Erzherzog Leopold Wilhelm. In jeder dieser Denkschriften wird Thomas Quentl als Kandidat der Medici-Kardinäle und des Großherzogs empfohlen. 188) 1. c. 15. Febr. 1659. Erinnerung des Reichsvizekanzlers, Konzept des an den Kaiser gerichteten Mahnschreibens. 17°) 1. c. Gutachten der innerösterreichischen Räte ddo. Graz, 21. 3. 1659.