Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 73 seinen langjährigen mit dem Domkapitel von Konstanz geführten Prozeß144), kann hier nicht eingegangen werden. Als Christoph Peutinger 1654 ernstlich erkrankte und die Nachricht davon sich in Deutschland verbreitete, regnete es Bewerbungsschreiben um die eventuell vakant werdende Stelle von allen Seiten. Die Heftigkeit, mit der dieses Amt nunmehr umworben wird, ist doch wohl ein Gradmesser für dessen Bedeutung. Es bildeten sich direkte Interessentengruppen, die mit Nachdruck ihren oder ihre Kandidaten beim Kaiser durchzubringen suchten. Da ist zunächst die eine Intervenientengruppe um den Mainzer Erzbischof, die bei dem nun einsetzenden Spiel um die Vergebung dieser Stelle die Karten mitmisohen wollte; sie ist entschieden die legalste, denn schließlich stand dem Erzkanzler des Reiches bei einer im Namen des Reiches zur Vergabung gelangenden Stelle am meisten Einflußnahme zu, die zweite mächtige Interventionsgruppe stellen die Mediceerkardinäle samt Großherzog und tirolische Linie des Hauses Österreich, durch Heirat den Medici eng verbunden, und als dritte und einflußreichste Gruppe konstituierte sich im Verborgenen die Phalanx der jesuitischen Beichtväter, im entscheidenden Moment vom Ordensgeneral für den Kandidaten des Papstes und des Ordens mobilisiert. Der Mainzer Kurfürst empfiehlt bereits 1654, im Hinblick auf die Erkrankung des kaiserlichen Auditors rechtzeitig für die Nachfolge vorzusorgen und präsentiert dem Kaiser als qualifiziertesten Kandidaten den Konstanzer Domdechanten Leonhard Pappus 145), der im Streit zwischen Domkapitel und Auditor Peutinger als Anwalt des Domkapitels aufgetreten war. Pappus richtet auch persönlich einige Eingaben an den Kaiser und den Reichsvizekanzler. Doch der Konstanzer Domherr blieb nicht lange 144) St. K. Rom, Varia Fasz. 8, Akten betreffend den Streit des Domkapitels zu Konstanz mit Christoph Peutinger, Auditor Rotae, über ein Kanoni- kat zu Konstanz. 145) St. K. Rom, Varia Fasz. 8, Konv.: Besetzung des Auditoriats der Rota nach dem Tode des Christoph Peutinger mit Georg Ludwig Lindenspühr (1654 bis 1657). — Erzbischof von Mainz an Kaiser Ferdinand III., Mainz, 24. Okt. 1654. Nachdeme ich unlängsthin von Rom aus berichtet worden, daß der auditor rotae Johann Peutinger gesundheit halber also indisponirt seye, daß seines wieder aufkommens keine hoffnung mehr übrig were. So habe, jedoch ohne imgeziemende maßgebung, E. kais. Maj. dienst, auch der gemeinen teutschen nation bestes zue seyn erachtet, wenn dieselbe allergnädigst geruhen würden, sich in Zeiten, unndt ehe andere Vorkommen würden, Ihres Juris nominandi zuegebrauchen undt an dessen stelle uf begebenden fall den Dhombdechanten zue Constanz Leonhardt Pappusen allergnädigst zueernennen. — Supplik des Leonhard Pappus, 1655 s. d. — Leonhard Pappus an Reichsvizekanzler Graf Kurz ddo. Konstanz, 29. März 1655 . .. auch bereits underschiedliche praeten- denten bey ihr kais. Maj. einkhommen sein sollen, fürnemblich aber etliche Lütticher, welche sogar die teutsche sprach nit künden, also hab ich in hoffnung, ihr kais. Maj. werden auff ervolgenden Fall hierzu vielmehr einen hoch- teutschen und ihres Erzhauses underthanen allergnädigst preveriren . ..