Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 67 Der kaiserliche Gesandte war mit seinen Interventionen keinen Schritt weitergekommen trotz der Unterstützung durch den spanischen Gesandten, dessen Intervention er sich erbeten hatte117). Er konnte nur die Beweggründe herausfinden, die für die Aversion der Auditoren gegen ihr neues Mitglied aller Wahrscheinlichkeit nach maßgebend waren: Motmann hatte zum ersten das kaiserliche Ernennungsschreiben, bevor er es der Rota unterbreitet und ihr seine Aufwartung gemacht hatte, veröffentlicht und damit den Eindruck erweckt, er habe die Zustimmung der Rota gar nicht nötig, zum zweiten hatte er die für seinen Prozeß an der Rota nötigen Beweisurkunden über die abgelegten Studien und die legitima natalia u. a., statt sie auf dem Dienstweg an die Rota gelangen zu lassen, an sich gezogen, wodurch er sich dem Verdachte aussetzte, sie seien gefälscht118). Nach den wiederholten Beharrungsbeschlüssen der Rota auf Reprobierung des Kandidaten Motmann stand dessen Sache nicht gut und sogar der Papst empfahl Savelli, er möge beim Kaiser für die Nominierung eines anderen Kandidaten eintreten. Ferdinand II. ließ sich in seiner einmal getroffenen Wahl nicht beirren und beauftragte Savelli, mit zäher Geduld die Verhandlungen in Fluß zu halten 119). Diese Aufgabe scheint dem Gesandten auch gelungen zu sein, denn zu Beginn des Jahres 1628 waren die Fronten in diesem Streitfall bereits etwas aufgeweicht. Der Papst, der aus der festen Haltung des Kaisers nicht mit einem Nachgeben rechnen konnte und wegen dieser an sich belanglosen Prestigefrage den Kaiser gerade in einer Zeit, in der die Verhandlungen bezüglich des Restitutionsediktes liefen, nicht vergrämen wollte, sprach ein ernstes Wort mit der Rota, und der mächtige Kardinal Barberini, der einflußreichste an der Kurie, setzte die noch zu allen Zeiten wirksamste Waffe gegen die Rota ein, nämlich die Drohung Roma. Con ogni possibile sforzo, ch’io habbia fatto non é stato possibile d’otte- nere cos'alcuna e ci ho con gli Anditori Spagnoli anco interposto il Sig. Ambas- ciatore di Spagna e Monsgr. Motmann si é ajutato quanto ha potuto ... und im P. S.: Eine Abordnung der Rota erklärte dem kaiserl. Vertreter: che tutta la Rota ha conosciuto e tiene concordemente, che gli errori fatti da Mons. Motmann nella Disputa publica non fossero difetto di memoria e smarrimento, ma pura ignoranza; e che in questo caso hanno le loro constituzioni di dover escludere. Beinahe gleichlautend im Bericht vom 4. 9. Princeps Savelli refert vix esse spem de promovendo Motmanno. 117) 1. c. 118) 1. c. Nel negotio ci é nato qualche errore per la parte di Msgr. (Motmann) contra se; ma sono diffetti della volontä, che alle volte trasporta; e due di presente gli hanno nociuto grandemente: uno, che venute le lettere di V. M. C. prima che presentarle e fare gli uffici, le publico, e cost parve alia Rota, che volesse l’intento, non per sufficienza, ma a forza di favori, e diede campo a gli avversari di far ogni malo ufficio; e l’altro, che fece venir le lettere in mano sua tutte, che pereid l’hanno havute per mendicate. 119) St. K. Rom, Weisungen, Fasz. 48. Ferdinand II. an Savelli. 20. Okt. 1627. Vestrum itaque erit, in tractatione hujus negotii tempori servire et pru- denti moderatione uti, ut in omnes occasiones, quib%is speratus effectus obtineri queat, diligenter advigiletis, nec tractationis filum ullo modo abrumpatis. 5*