Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 59 Reichs wegen geschehen sollen, nichts bewußt, wie ich auch bei meiner Canzley einiche nachrichtung davon nitt finde und sonsten dergleichen Personen zu Rom mir fast unbekannt; er drückte dann die Hoffnung aus, daß der Kölner Erzbischof alß archicancellarius per Haliam ettwehn dergleichen qualificirter personen beßere bekantnus tragen werde90). Positiver scheint in der Tat die Antwort des Kölner Erzbischofs gewesen zu sein, denn es besteht wohl kaum ein Zweifel, daß die Ernennung des Hermann Ortenberg, Propst in Köln und Kanonikus von Aachen, auf seinen Vorschlag zurückzuführen ist. Hermann Ortenberg aus Nimwegen war als Sekretär des Kardinals Madruzzo mit dem Kurialbetrieb aus langjähriger Erfahrung bestens vertraut, — bereits 1585 war er in die deutsche Bruderschaft bei der Anima auf genommen worden91 92) — hatte sich in kaiserlichen Diensten bewährt und war daher für diese Stelle, für die in der Folgezeit immer mehr Bewerber auftauchten, der geeignetste Kandidat. Seine Verdienste und seine Eignung werden in dem am 7. November 1599 für ihn ausgestellten Ernennungsschreiben auch besonders hervorgehoben: multi nobis di- versarum nationum iure consulti commendantur, tarnen cum Tu nobis tum a praeclara virtute et doctrina tum a non vulgari Curiae Romanae quem a multis annis acquisieris usum et quod magnum apud nos pondus habet ab egregio in nos et Augustam domum nostrum studio variis occasionibus iam ante ostenso prae ceteris commenderis ... Pontifici Maximo Te potissi- mum nominandum duximus 92). Ortenberg, der sich zur Sicherung seiner Bewerbung nach Wien begeben hatte, kehrte 1600 zur Übernahme seines neuen Amtes an die Kurie zurück und spendete aus Dankbarkeit für die erlangte kaiserliche Huld der Kirche Santa Maria dell’Anima einen vergoldeten Silberkelch93). Sein Amt an der Rota trat er am 11. November 1600 nach Absolvierung seines Noviziates an94). Das Benennungsrecht des Kaisers für das kaiserliche Auditoriat hatte sich im Verlaufe des 16. Jh. immer klarer herauskristallisiert, es war aber, 90) 1. c. Erzbischof von Mainz an Rudolf II., Aschaffenburg, 25. Sept. 1599. 91) Liber Confraternitatis a. a. O., pag. 173: Hermanus Ortenbergus, Noviomagus, S. Cuniberti apud Colonienses praepositus et eccl. B. M. Aquis- gran. canonicus, Illmi. et Rmi. cardin. Madrutii a secretis. 8. Dec. 1585. 92) St. K. Rom, Varia Fasz. 5, Konv. Tod des Auditor Rotae Orani und Ernennung des Hermann Ortenberger zum Auditor. Nominatio in locum Audi- toris Rotae, 7. sept. 1599. 93) Schmidlin, Anima, S. 474: Mit Hermann Ortenberg aus Nimwegen (1602 und 1610) beginnen wieder die Auditoren der Rota das Szepter über die Deutschen Roms in die Hand zu nehmen; daraus, daß Österreich für das eine Mitglied dieses Gerichtshofes das Vorschlagsrecht bekam, bildete sich von selbst ein nationales Kurialamt aus. — L. C. pag. 197: Hermanus Ortenberg Noviomagus, I. U. D. in Urbem post aliquot annos redux ad Rotae auditoratum s. Caes. Majestatis nominatione suscipiendum gratitudinis et devotionis ergo calicem argenteum deauratum Bmae. V. Deiparae obtulit Kal. Dec. 1600. ®4) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 452.