Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

56 Richard Blaas Rom zurückzukehren, führt nun zu einer für die Entwicklung des kaiser­lichen Auditoriates interessanten Wendung bezüglich des Ernennungs­rechtes. Fast gleichzeitig mit dem an Gropper abgefertigten Breve mit der ultimativen Aufforderung nach Rückkehr an die Rota oder Verzicht auf dieses Amt 77 78 79) ließ nämlich der Papst dem Kaiser die Mitteilung zugehen accioché, se le pare, facci amonire il detto Groppero ehe venga et quando non habbi volontá di venire, Sua Maestá nomini un’altro de la natione, che S. Santitá gli dara il luogo rotale 77). Dieses päpstliche Schreiben ist der erste Quellenbeleg für das dem Kaiser vom Papste zugestandene Er­nennungsrecht eines nationalen Auditors. Man kann dabei sicherlich nicht von einem Privileg sprechen, es ist ein in der damaligen Zeit eben an der Kurie als eingeführte Gepflogenheit anerkanntes Gewohnheitsrecht. Der Kaiser äußerte sich dem päpstlichen Antrag gegenüber zustimmend, ver­suchte aber zunächst Gropper umzustimmen und ihm an der Kurie Gerech­tigkeit wiederfahren zu lassen non puö venire a quest’atto — nämlich der Absetzung Groppers — se prima non si ns a con esso ogni sorté di giusti- ficazione 7S). Erst 1580 ließ Kaiser Rudolf II. Gropper fallen und präsen­tierte einen Nachfolger für das kaiserliche Auditoriat19). Gropper lebte völlig zurückgezogen, in sich verschlossen und von schwerer Melancholie umfangen in Köln, wo er am 19. März 1594 starb. Groppers Richterstelle wurde vom Papste im Oktober 1579 für vakant erklärt80), jetzt aber nicht gleich neu besetzt — wie es noch nach der Vakanz des Rotapostens nach dem Tode des Auditors Vorst geschehen war — sondern es wurde die Vakanz durch den kaiserlichen Vertreter in Rom dem Kaiser mit dem Ersuchen der Kurie mitgeteilt, nunmehr die Neubesetzung der Auditoriatsstelle vorzunehmen. Rudolf II., der Gropper wegen der dem 77) Ebenda S. 728, Anm. 4: Rückberufung Groppers in ultimativer Form für Ostern 1577: monemus igitur, ut redeas, quod si hie non fueris ante feria Pasehalia (hunc enim tibi peremptorium terminum praefinimus), alium suffi- ciemus neque te amplius auditore utemur; nec enim volumus locum ilium diutius vacuum esse. — Annibale di Capua, der Ende 1576 gelegentlich des Todes Maximilians II. vom Papst nach Wien entsandt wurde, erhielt den Auf­trag, dem Kaiser Rudolf II. Kenntnis von Groppers Zurückberufung und der daran geknüpften Drohung zu geben. — Ebenda S. 729, Anm. 1. 78) Der Kaiser äußerte sowohl dem Annibale di Capua als auch dem Nuntius Delfinus gegenüber, daß er das Vorgehen der Kurie billige, er ließ auch an Gropper schreiben, aber die Angelegenheit zog sich immer weiter hin. Der Kölner Nuntius Castagna schildert Gropper in dieser Zeit bereits als einen Sonderling. Der Nuntius versuchte, ihn zu einer bestimmten Erklärung zu veranlassen, aber vergebens. Kaiser Rudolf nahm auch jetzt noch für Gropper Partei, wie aus dem von Malaspina an Castagna gerichteten Schreiben ddo. Prag 1579 Juni 22 hervorgeht. — J. Hansen, a. a. O., S. 729, Anm. 1. 79) Ebenda. 80) Cerchiari, a. a. 0., vol. II, nr. 414 declaratus locus ipsius vacans a S. D. N. Greg. XIII. P. M. quia per plures annos absens, saepius interpellatus, redire recusavit, de mense octobris 1579.

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