Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

532 Literaturberichte der österreichischen Botschaft, herabgerissen und ebenso geschändet wor­den wie das österreichische Wappen an der Nationalkirche Santa Maria dell’Anima (Filipuzzi, S. 249 f.), weshalb der 68jährige Graf Rudolf Lützow (f 1858), ein Großneffe des letzten regierenden Erzbischof von Salzburg, des Grafen Hieronymus Colloredo, abberufen wurde, der Öster­reich als Botschafter unter vier Päpsten vertreten hatte. Die Wiederauf­nahme der diplomatischen Beziehungen zu dem inzwischen nach Gaéta geflüchteten Pius IX. wurde dem 1809 geborenen Grafen Moritz Esterházy- Forchtenstein anvertraut, der bis 1856 in Rom blieb, wo er Italien augen­scheinlich hassen lernte, was er später als Minister in den Kabinetten Schmerling und Belcredi ausgiebig bekundete (f 1890). Um ihm einen Einblick in die Verhältnisse auf der Apenninenhalbinsel und besonders des Kirchenstaates zu geben, beauftragte Ministerpräsident Fürst Felix Schwarzenberg den damaligen Sekretär der Botschaft am päpstlichen Hof, Richard Weiß von Starkenfels, mit der Ausarbeitung einer instruktiven Denkschrift, die vielleicht zur gleichen Zeit die Existenzberechtigung des besagten Weiß von Starkenfels in dieser so exponierten Position beweisen sollte. Der Sohn des 1821 geadelten Hofrats und Staatsratsreferenten Johann Baptist Weiß von Starkenfels r) war 1815 in Linz geboren worden und 1841 als „Legations-Commis“ mit 600 fl. jährlich sowie „in Anbetracht der größeren Theuerung“ mit einer Lokalzulage von 200 fl. jährlich zunächst an die österreichische Gesandtschaft in Hannover gekommen, nachdem er nach ausgezeichneter Absolvierung der Theresianischen Ritterakademie von Metternich im inneren Dienst verwendet worden war. Im folgenden Jahr wird er mit 200 fl. Gehaltsvermehrung nach Dresden geschickt. Doch ist er bereits Verbindlichkeiten eingegangen, derentwegen sich die Gläu­biger unmittelbar an den Staatskanzler wenden mußten, was die Vor­gesetzten des Neophyten mit seinem geringen — freilich vom Vater gelegentlich verbesserten — Einkommen und damit entschuldigen, daß er „in der guten Gesellschaft so repandiert“ sei. Im übrigen ist man mit seiner Dienstleistung zufrieden: „Er hat Kopf, hat etwas gelernt, ist flink und eifrig im Arbeiten.“ Er geht 1846 als Legationssekretär nach Stutt­gart und soll im Jänner 1847 nach London versetzt werden. Unmittelbar davor aber sind er selbst und sein früherer Chef, Graf Franz von Kuef- stein, österreichischer Gesandter in Sachsen, gezwungen, wieder an die Geduld und Gnade Metternichs zu appellieren. Denn „Herr von Weiß hat bei seiner Abreise (aus Dresden), ohne daß seine äußere Lebensweise es ahnen lassen konnte, eine Schuldenlast hinterlassen, welche auf mehr als 10.000 fl. angegeben wird“. Die Liste der Betroffenen, darunter Kaufleute, Buchhändler, Schuster, Schneider, Hoteliers, Bankiers und einfache Geld­verleiher, ist jedenfalls erstaunlich. Der Staats- und Konferenzrat Baron Franz von Lebzeltern befaßt sich eigenhändig mit der Angelegenheit, die durch ein „reumüthiges Geständnis“ des Inkulpanten ergänzt wird: er U Über ihn und drei seiner achtzehn Kinder, vgl. Constant v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 54. 1886, S. 143 ff. Er war übrigens zunächst als Geschichtslehrer am Lyzeum in Linz und nicht an der Universität Wien tätig (dagegen Filipuzzi, S. 14).

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