Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
Rezensionen 527 Abhandlung „Marken und Herzogtümer im deutschen Südosten“. Er läßt in seinem Beitrag, der die eigentliche Geschichtswerdung Österreichs in seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Struktur sichtbar werden läßt, die Fundamente erkennen, auf denen die Landesgeschichte beruht. Aus der Entwicklung der Marken und Herzogtümer im deutschen Südosten beginnt sich das Werden des Habsburgerreiches abzuzeichnen, in das der Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Fexer weiterführt. Mit Habsburg bleiben die Geschichte und die Geschicke Österreichs mehr als 600 Jahre innigst verknüpft. Die Habsburger führen Österreich mit Geschick, Glück und Energie, oft unter den schwierigsten Bedingungen, den Weg zur europäischen Großmacht empor. Das Haus Österreich, wie die Habsburger alsbald genannt werden, birgt Österreichs politisches und kulturelles Erbe. In drei Abschnitten blendet sich Prof. Dr. Robert Endres in die drei großen Jahrhunderte Österreichs ein, das 16., 17. und 18. Jahrhundert, indem er die „Sozialen und Religionskämpfe“ besonders herausstellt, die Österreich zwar ebenso erschütterten wie das Reich, es aber nicht in seine einzelnen Bestandteile zerrissen, weil die einigenden Kräfte, die katholische Kirche und das katholische Herrscherhaus, über die Wirrnis Herr wurden und die Kräfte aufbringen konnten, die notwendig waren, der „Türkennot“ Herr zu werden. Die Abwehr dieser tödlichen Gefahr führte das „Heldenzeitalter“ herauf, in dem der Bestand der österreichischen Länder gesichert und auf diesem sicheren Grund das „Zeitalter der Reformen“ sich entfalten konnte, das in die neuere Geschichte Österreichs überleitet. Meines Erachtens kommen in diesen Abschnitten die beiden geschichtsbildenden Kräfte, die man im Sinne eines historischen Hausbuches mit Thron und Altar umschreiben kann, nicht in ihrer vollen Bedeutung zur Geltung. Das 19. Jahrhundert hat Prof. Richard Charmatz bearbeitet, das er in die zwei Abschnitte „Die napoleonischen Kriege und die Reaktion Metternichs“ und die „Ära Franz Josephs I.“ unterteilt, wobei das Schlagwort von der Reaktion — Reaktion im abträglichen Sinn — doch etwas überbetont erscheint. Das Kapitel „Unsere Zeit“ von Dr. Erwin Schmidt leitet den letzten Hauptabschnitt ein, der bis zur Gegenwart heraufführt. Eingestreut zwischen den Kapiteln der geschichtlichen Darstellungen sind die den betreffenden Zeitepochen entsprechenden Leistungen auf künstlerischem und literarischem Gebiet, die Großtaten auf den Bühnen des Theaters und dem Podium der Musik. Die Kunstgeschichte redigierte mit feiner Einfühlungsgabe Dr. Peter Baldass, für die Darstellung der Entwicklung von Musik und Theater sorgte Dr. Robert Stern, während die Literaturentwicklung in Dr. Karl Ziak, der sich auch der mühevollen und entsagungsreichen Arbeit der Gesamtredaktion des Werkes unterzog, ihren vortrefflichen Interpreten fand. Am Ende des Buches findet sich ein Verzeichnis von Büchern, die den Leser, der sich zu den einzelnen Abschnitten und Themen noch ausführlichere Informationen wünscht, weiterführen sollen und den Weg zu einem eingehenderen Studium der Geschichte Österreichs ermöglichen können, was allerdings unbedingt zu empfehlen ist, da naturgemäß in einem derartigen Übersichtswerk die Geschichte nur in groben Umrissen geboten werden kann und außerdem bei der Vielzahl der Bearbeiter die