Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
Österreich 517 sprechend dem herrschenden strengen Provenienzprinzip der Versuch gemacht, auch hier die alte Ordnung wieder herzustellen. Diese von Schwab und Bittner unternommene Arbeit ist jedoch auf Hindernisse gestoßen, da teilweise die alten Signaturen von den Akten abgeschnitten worden waren, und ihre alte Anordnung nicht immer festgestellt werden konnte. Die Lösung war ein Kompromiß: 10 Gruppen konnten rekonstruiert werden3), sie bildeten dann die Faszikel 1—9 (mit Unternummern, im ganzen 19 Faszikel). Die übrigen, d. h. die Hauptmasse, wurden nach sachlichen Gesichtspunkten unter dem Titel „Miscellanea“ neu eingeordnet. Von den 92 Faszikeln und Bänden der AKA. waren nach der Rückbringung aus dem Bergungsort nur 7 Faszikel der ältesten rekonstruierten Ordnung und 12 Faszikel der Miscellanea, außerdem 11 Bücher geschlossen erhalten, während der Rest, der das Schicksal der Gunters- dorfer Bergungsbestände teilte, nur aus losen, mit anderen Akten untermischten, fragmentarischen Blättern bestand. Da nur sehr mangelhafte Behelfe zur früheren Anordnung bestanden, die Verlegenheitslösung zwischen altem und neuem System ohnedies nicht ideal gewesen war, und angesichts des chaotischen Zustandes des Materials wurde beschlossen, den Bestand mit starker Anlehnung an die alte Gruppeneinteilung, aber doch ganz neu zu ordnen. Die 39 Kartons enthalten nun Akten folgender Sachgebiete: 1. Studiensachen, Buchwesen; 2. Sanität, „milde Stiftungen“; Kirchliche Angelegenheiten; 3.—10. Finanzen; 10.—12. Kontribution und Gefälle; 12.—13. Finanz-(Steuer-)Sachen s. a.; 13. Militärsachen; 14.—15. Justizsachen; 15. Staatsverwaltung, Buchhaltung; 16. Ah. Resolutionen, staats- rätliche Zirkulanden; Personal und Besoldung; 17. Münzwesen, Metallhandel, Eisenbergbau; 18. Land- und Forstwirtschaft, Handwerk; Tabakbau und -handel; 19.—20. Salzhandel; 20.—21. Handel, Wirtschaft und Verkehr; 21.—22. Adelsgüter; 22. Verzeichnisse von Provinzberichten 1761; 22.—24. Böhmen, Mähren, Schlesien; 24.—25. Verhöre über die Haltung während der bayrischen Besetzung Prags 1743; 25.—27. Landessachen unter und ob der Enns; 27.—29. innerösterreichische Landessachen; 29.—31. Tiroler und vorderösterreichische Korrespondenz; 31.—33. Lombardei, Italien; 34.—35. italienische Korrespondenz; 35.—36. niederländische Korrespondenz; 36.—37. niederländische Wirtschaft; 37. ungarisch-siebenbürgische-, dalmatinische Angelegenheiten; Reidhssachen; 37.—39. Varia; 40.—50. gebundene Provinzakten. In einem Falle war die alte Ordnung des 18. Jahrhunderts noch so ungestört erhalten, daß sie auch weiterhin beibehalten wurde: in Gruppe E, Finanzen, heute Kart. 3—8. Aber auch andere Gruppen konnten fast unverändert übernommen werden, ohne daß dies äußerlich sichtbar ist. Über die Neuaufstellung wurde ein Stückverzeichnis in Form eines Zettelkataloges angelegt (AB. 482 c). Auf diese Weise ist diese Aktenreihe nun leicht und rasch zugänglich geworden. ^^FbTd, E, G, H, I, K, M, Q, R. Vgl. Ges.-Inv., Bd. II, S. 125.