Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

118 Richard Blaas tor Odescalchi zu berichten wußte310), nur einen Teil der erforderlichen Auslagen. Obwohl dem Fürsten Odescalchi in Rom das Palais der Familie zur Verfügung stand, mußte er zu den 4000 fl. Gehalt und den 1200 scudi Richterbesoldung jährlich noch 1000 Dukaten aus seinem Patrimonial- vermögen zuschießen. Diese enormen Ausgaben werden verständlich, wenn man bedenkt, daß der Auditor eine eigene Kanzlei zu unterhalten hatte mit einem Adjutor studii an der Spitze, der in der Regel ein erfahrener römischer Advokat war, ferner mit zwei Rechtskonsulenten, den sogenannten Segreti di Rota, einem Sekretär, einem Kaplan, dazu mußte er einen eigenen großen Haushalt, eine repräsentative Wohnung mit großem Audienzsaal und Equipagen halten. Ein Nationalauditor mußte natürlich entsprechend der von ihm vertretenen Nation auch sein Auftreten gestal­ten 319 320 321). Es ist wohl kaum übertrieben, wenn die Auditoren immer wieder betonen, daß ihre Installation und Lebenshaltung nicht weniger erfordere als die eines Kardinals. Als Odescalchi 1820 zur unmittelbaren Dienstleistung beim Papst als Auditor Sr. Heiligkeit berufen wurde821), mußte nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau gehalten werden. Die nun einsetzende Suchaktion nach geeigneten Kandidaten •— Be­werbungen lagen keine vor — gestattet einige bemerkenswerte Beobach­tungen. Zunächst einmal fällt auf, daß sich nunmehr keine Kandidaten aus den hohen Adelskreisen um diese hohe kirchliche Stelle bewerben. Zur Erklärung dieser Tatsache muß wohl in Betracht gezogen werden, daß einerseits Diplomatie und Militär in immer größerem Maße das vorhan­dene Kandidatenreservoir aus den Adelsfamilien ausschöpften und anderer­seits die einer geistlichen Karriere zuströmenden Kräfte durch das bereits seit mehr als einer Generation bestehende staatskirchliche System mit seiner Abschließung von Rom der kúriaién Praxis weitgehend entfremdet waren. Für sie bildete der Dienst an einem päpstlichen Gerichtshof, der zudem in den Jahren nach 1815 immer mehr zu einem rein internen Gerichtshof des Kirchenstaates umgewandelt wurde, auf Grund ihrer nach den josephinischen Grundsätzen erfolgten Erziehung keinen großen Anreiz, noch waren sie bereit, dafür auch noch bedeutende finanzielle Aufwendun­gen aus ihrem eigenen Vermögen daranzugeben. Da diese traditionelle Kandidatenschicht diesmal völlig ausfiel, wandte sich der Kaiser um einen 319) St. K. Rom, Auditoriat, Bericht des Geschäftsträgers Genotte vom 16. VIII. 1820. 32°) 1. c. Tous les Auditeurs des Puissances etrangéres en recoivent des gages en ont des avantages qui les metent ä l’aise et leur facilitent les moyens d’exister ici sur un pied decént. — La France passe a son Auditeur de Rote 50,000 francs; l’Espagne, qui en a deux, leur passe a chacun, deux mille Piastres du trésor outre qu’ils ont ou de gros Canonicats, ou de fortes pensions sur quelques menses episcopates, on compte que le révenu annuel de chacun des Auditeurs Espangols n’est pas en dissous de 6000 ecus. 321) 1. c. Bericht vom 16. VIII. 1820.

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