Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

106 Richard Blaas Bereits im Dezember 1806, also ganz knapp nach Strassoldos Tod, unter­breiteten Carl Fürst Odescalchi und Gustav Fürst von Croy, Domherr zu St. Stephan in Wien, Bittschriften um Verleihung der Stelle eines kaiser­lichen Auditors bei der Rota Romana 285). Der kaiserliche Vertreter in Rom, Ritter von Lebzeltern, hatte nach dem Tode des letzten Auditors in vertraulicher Form bei Kardinalstaats­sekretär Casoni bezüglich des dem österreichischen Kaiser als ehemaligem Reichsoberhaupt zustehenden Nominationsrechtes vorgefühlt 286 287) und sehr beruhigende mündliche Zusagen erhalten, die durch das Billet Casonis vom 10. Januar 1807 auch schriftlich abgegeben wurden — posso assicurare V. S. III. che Sua Santitä proverd gran piacere, se a S. M. l’Imperatore e Re verrä conservata la prerogativa di nominare all’Uditorato di Rota vacato per la morte di Msgr. Strassoldo e sarä contentissima che la nomina cada sopra Msgr. Bracciano Odescalchi, al quäle non fa alcun ostaculo la gio- vanile sua etd 287). Dieses Billet des Staatssekretärs spielte in den folgen­den Verhandlungen eine wichtige Rolle und schien das Recht des Kaisers von Österreich, einen Auditor Rotae zu ernennen, auch für die Zukunft zu garantieren. Wie aus den diesbezüglichen Berichten Lebzelterns zu ent­nehmen ist, legte die Kurie sogar besonderen Wert darauf, daß Österreich dieses Vorrecht auch ausübe: J’en requs la double assurance que la con­servation de la prérogative de nommer un Auditeur de Rote dans la Maison d’Autriche n’éprouveroit non seulement aucune diffieulté, mais que le S. Pere verroit avec une satisfaction particuliére, que Sa Majesté excercat cette prérogative, d la quelle on a toujours attaché tant d’importance 288). Nach diesen förmlichen Garantien für den Übergang dieser Prärogative des alten Reiches auf den Kaiser von Österreich konnte man mit gutem Recht die Ernennung eines neuen Auditors als unmittelbar bevorstehend ankündigen und auch den voraussichtlichen Kandidaten erraten lassen, der über die beste Empfehlung verfügte, nämlich die Intervention des Papstes 285) St. K. Rom, Auditor Rotae (In diesem Sammelfaszikel sind alle das kaiserliche Auditoriat zwischen 1806 und 1860 betreffenden Akten zusammen­gefaßt. Dieser Sammelfaszikel wurde 1908 gebildet, als man im Ministerium des Äußeren ein umfangreiches Memorandum über das Ernennungsrecht ausarbei­tete; er ist in dieser Form belassen im Archiv aufgestellt worden). — Supplik des Karl Fürst Odescalchi und des Gustav Fürst von Croy vom 24. Dez. 1806. 286) Botschaftsarchiv Rom-Vatikan II. Berichtsregister 1806, Billet con- fidentiel ä S. E. Msgr. le Cardinal Casoni Sécrétaire d’Etat vom 9. I. 1807: Votre Eminence se rappellera de V ouverture que j’eus l’honneur de hui faire confidentiellement au sujet de L’Auditoriat de Rote. Elle voulut bien m’adresser amicalement que S. S. ne trouveroit point de diffieulté á ce que la prérogative de nommer un Auditeur National dans le tribunal de la Rote dönt jouissoit l’Empereur mon maitre comme Chef de l’Empire Germanique lui sóit conservée et confirmee comme Empereur d’Autriche, mais qu’elle en seroit trés satisfaite. 287) St. K. Rom, Auditor Rotae, Casoni an Lebzeltern am 10. I. 1807, ab­schriftlich beigefügt in Bericht Nr. 327 vom 18. II. 1807. 288) 1. c. Bericht Lebzelterns vom 24. I. 1807.

Next

/
Thumbnails
Contents