Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

WEINZIERL-FISCHER, Erika: Bismarcks Haltung zum Vatikanum und der Beginn des Kulturkampfes nach den österreichischen diplomatischen Berichten aus Berlin 1869–1871

Bismarcks Haltung zum Vatikanum und der Beginn des Kulturkampfes 321 der mit einer allgemeinen Unsicherheit über die Regelung der Religions­frage auf dem Boden des konfessionell neutralen Staates zusammentraf 10°). Neuestens hat Rein den Kulturkampf auf die uralte „Auseinanderset­zung zwischen Priester-Herrschaft und Königs-Herrschaft“ zurückzuführen versucht, bei der die noch nicht überwundene „Gefahr einer Kombination zwischen Partei, Einzelstaat und Ausland“ den leidenschaftlichen Abwehr­willen Bismarcks erregte. Dieser ließ sich daher „zum Kulturkampf hin­reißen, als er bemerkte, daß diese gegnerischen Kräfte im Westen und Süden über die Brücke der Konfession und Kirchenpolitik revolutionierend in den polnischen Bereich eingriffen“ * 107). Alle diese Theorien sollen hier nicht neuerlich auf ihre Berechtigung untersucht werden. Es sei daher lediglich festgestellt, daß in den öster­reichischen diplomatischen Berichten aus Berlin zur Zeit des Ausbruches des Kulturkampfes das Unfehlbarkeitsdogma und die Polenfrage nicht als Ursachen des Konfliktes angegeben werden. Dagegen werden in die­sem Zusammenhang die auswärtige Politik des neuen Reiches und dessen Parteiprobleme eingehend besprochen108). Über den „politischen Ur­sprung“ des Verhaltens Bismarcks ist man sich vom ersten Augenblick an im klaren109). 10°) Bornkamm a.a.O., S. 301 u. 304. 107) Gustav Adolf Rein, Die Revolution in der Politik Bismarcks, Göttingen- Berlin-Prankfurt 1957, S. 244, 242, 241. 108) Siehe oben S. 318. 10°) Bericht Münchs vom 12. August 1871, P.A. III, Kart. 103. Mitteilungen, Band 10 21

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