Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert
184 Richard Blaas sollte „um Konsequenzen und Mißdeutungen“ zu vermeiden132). In diesem Sinne wurde der Vortrag bereits am 4. September 1867 dem Kaiser vorgelegt und von demselben bereits am 8. September mit der beifolgenden Entschließung versehen: „Ich genehmige die Enthebung des Cardinals Silvestri von der Würde eines Protectors nationis austriacae und haben Sie hiernach im Sinne der von Ihnen gestellten Anträge das Weitere zu verfügen“ 133). Damit hatte das österreichische Kardinalprotektorat ein unerwartetes und man darf wohl sagen, in seiner Endphase dramatisches Ende genommen, denn es dürfte wohl ziemlich einmalig in der Geschichte des Kardinalprotektorates sein, daß ein Protektor von seiner Regierung förmlich abgesetzt worden ist. Dem Kardinal Silvestri wurde am 12. Oktober 1867 vom Botschafter seinem Antrag und den erhaltenen Weisungen gemäß in einem kurzen förmlichen Schreiben mitgeteilt: „il cambiamento di circo- stanze portato dagli avvenimenti degli Ultimi tempi, ha persuaso a Sua Maestá Imperiale e Reale Apostolica che il protettorato della nazione austriaca in Roma, non é attualmente reclamato da alcun interessé essen- ziale per la monarchia. In seguito di tale persuasione, la prelodata Maestá Sua si é graziosamente degnata di sollevare la E. V. R. dal peso delle funzioni di quel protettorato, che da varii anni Ella compiacevasi esercitare. Per ordine di Sua Maestá l’Imperatore ho l’onore di informare V. E. R. di questa sovrana risoluzione“ 134). In einer gleichlautenden Note wurde auch der Kardinal-Staatssekretär von der Enthebung Silvestris von den Funktionen als Protektor Österreichs verständigt, mit dem Beisatze allerdings: „Lo scrivente deve aggiungere che la prelodata Maestá Sua si riserva di procedere nuovamente, quando lo giudicasse opportuno, alia nomina di un Eminentissimo protettore“ 135). Dieser Eventualfall ist aber nie mehr eingetreten. Die einzige sich noch bietende Möglichkeit zur Erneuerung des Protektorates wäre vielleicht gegeben gewesen, wenn der kaiserliche Auditor Msgr. Montéi, der das volle Vertrauen sowohl der kaiserlichen Regierung als auch des Papstes genoß, 1894, als seine Erhebung zum Kardinalat erwogen wurde, dieses angenommen hätte136), tatsächlich aber wurde das Kardinalprotektorat nicht mehr erneuert. 132) Ebenda. Antwort-Note des Kultusministeriums vom 22. August 1867. 133) Politisches Archiv XI/198 (Rom - Vatikan), Liasse: Silvestri (1854—67). 134) Adm. Reg. F 26, Fasz. 18, Kardinäle, Konv. Silvestri. Copia di lettera diretta a Sua Eminenza Rvdma. il Signor Card, de Silvestri, in data Roma, li 12 ottobre 1867. Beilage zu Bericht Nr. XXXII A, vom 18. Oktober 1867. 135) Ebenda. Copia di nota diretta a S. E. R. il Signor Card. Antonelli Segre- tario di Stato di Sua Santitä in data Roma, li 12 ottobre 1867. m) Vgl. Adm. Reg. F 26, Fasz. 27, Uditore, Konv. Msgr. Montéi - Cardinaisempfehlung.