Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
PILLICH, Walter: Die Flüchtung der Schatzkammer, des Archivs und der Hofbibliothek aus Wien im Jahre 1683
Fluchtung der Schatzkammer, des Archivs und der Hofbibliothek aus Wien 141 ren dem auf den Weg nach Linz befindlichen Schatz und dem Kaiser nachgeeilt sein31 *). Da Linz dadurch als Aufenthalt weder für den Kaiserhof noch für den Schatz geeignet erschien, wurde die Flucht nach Passau fortgesetzt. Diese wurde auf dem Wasserweg donauaufwärts durchgeführt. Der oberösterreichische Landeshauptmann, Graf von Weißenwolff, schloß hiezu einen Kontrakt mit dem Linzer Schiffsmeister, Balthasar Panholzer, der wegen der außerordentlichen Notzeit für 14 Pferde, die die Schiffe von Linz bis Passau 12 Meilen am Ufer ziehen mußten, pro Pferd 28 Gulden, zusammen 392 Gulden, verlangte. Die Bezahlung erfolgte aber erst 1686. Panholzer ersuchte darum beim Obersthofmeisteramt unter Vorlage eines diesbezüglichen Attestes des erwähnten Landeshauptmanns Weißenwolff und des kaiserlichen Kammerdieners Johann Benedikt von Weißenegg, jedoch der Hofkontrollor beanstandete den zu hohen Preis, der nur 1 Gulden pro Meile betragen dürfe. Der verstorbene Obersthofmeister hätte dem Schiffsmeister noch zuzüglich 2 Gulden, also 14 Gulden pro Pferd, bis Passau bewilligt. Der Obersthofmeister Ferdinand Fürst Dietrichstein setzte die Forderung Panholzers mit der Begründung durch, daß die beiden Atteste und die geforderte Bezahlung zurecht bestünden, weil sonst niemand mehr dem Hof vertraue, und der Kaiser erteilte am 28. Mai 1686 hiezu sein „Placet“ 33). Am 22. Juli 1683 traf der kaiserliche Schatz zu Wasser in Passau ein 33). Am nächsten Tage, den 23. Juli, wurde Hauptmann Angeli de Pazzi mit seiner Mannschaft von der Begleitung des kaiserlichen Schatzes in Passau abkommandiert und erhielt den Befehl, sich mit seiner Mannschaft auf dem Wasserweg nach Krems zu begeben, wo er sich beim Herzog von Lothringen zur Entgegennahme von weiteren Befehlen zu melden habe. Pazzi bat die Hofkammer in Passau um Mittel für die Rückreise und für die Verpflegung, nachdem er bisher 50 Gulden für die Mannschaft erhalten hatte, dieser Betrag aber bereits verbraucht war, worauf ihm der Kaiser weitere 50 Gulden bewilligte 34). Aber auch Passau schien, weil es außerhalb der Erblande lag, für ein Verbleiben des kaiserlichen Schatzes in Kriegszeiten ungeeignet. Im August 1683 begaben sich Schatzmeister Ladner, sein Sohn und zwei Kammertrabanten mit dem kaiserlichen Schatz weiter nach Innsbruck, wofür sie 100 Gulden Reisekosten erhielten35). Seit der Flucht aus Wien bis Innsbruck wurden für das öfter notwendige Auf- und Abladen des Schatzes von 31) Sturminger, n. 716, S. 401. 32) HHuStA., Relatio 4 des Obersthofmeisters an Kaiser Leopold I., Akten des Obersthofmeisteramtes, Karton 7. 33) Sturminger, n. 2082, S. 222. 34) Kriegsarchiv, Hofkriegsrat, Expedit 1683, fol. 504 rv, 505 r; vgl. auch Sturminger, n. 2521, S. 232 f. 35) HKA., Hofzahlamtsbuch 1683, fol. 57 v.