Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez
Rezensionen 599 Fall wird dieser Fehler noch dadurch verschlimmert, daß sich die Auswahl der benützten Unterlagen im wesentlichen auf die drei einschlägigen Nachkriegsprozesse unter Überschätzung einzelner Aussagen beschränkt, während andere Aktenausgaben nur vereinzelt oder überhaupt nicht herangezogen werden. Auch die Auswahl der befragten Beteiligten muß als vollkommen unzulänglich betrachtet werden. Namentlich wird den in verschiedenen Formen vorliegenden Aussagen Papens offensichtlich über Gebühr Glauben geschenkt. Dennoch ist das Werk von Ei. als ganzes zu begrüßen. Zum erstenmal wurde hier das Material nicht nur des Nürnberger und Guido Schmidt- Prozesses in einer eingehenden und lesbaren Darstellung aufgearbeitet, sondern auch die Akten des in Österreich leider noch nicht verfügbaren Wilhelmstraßenprozesses erschlossen. Dadurch werden in dem vorliegenden Buch manche neue Akzente gesetzt. Das im Anhang übersichtlich ausgebreitete dokumentarische Material, das überdies in einem umfangreichen Anmerkungsteil die Ausführungen des Verf. genau belegt, zeugt von einer imposanten Arbeitsleistung, auf die sich die künftige kritische Forschung auch in Österreich zunächst wird stützen müssen. Rudolf Neck (Wien). Gallin, Mary Alice, Ethical and Religious Factors in the German Resistance to Hitler. The Catholic University of America Press, Washington 1955. 231 S. Die Hörer der Katholischen Universität Amerikas besitzen für die Disziplin Neuere Geschichte Europas in Friedrich Engel de Jánosi einen durch Herkunft und Neigung mit den Problemen Mitteleuropas besonders vertrauten Lehrer. Dies wirkt sich auch auf die Dissertationen seiner Schüler aus, denen er immer Themen von Bedeutung stellt (vgl. die Rezension der Arbeit Mary Antonia Wathen, The Policy of England und France Toward the „Anschluß“ of 1938, von Rudolf Neck in Band 8, 1955, S. 420—422, dieser Zeitschrift). Er hat auch die vorliegende Arbeit angeregt, deren Bewältigung ebenso interessant wie schwierig gewesen sein muß. Daß eine Untersuchung der ethischen und religiösen Faktoren des deutschen Widerstandes gegen Hitler von nichtdeutscher Seite der Gefahr der Parteilichkeit viel weniger ausgesetzt ist als eine von deutscher, braucht kaum betont zu werden. Der andererseits dadurch leicht gegebenen Neigung zur Vereinfachung und Schwarz-Weißzeichnung hat sich Mother Gallin erfolgreich widersetzt. Sie war sich von Anbeginn an der besonderen, in mancher Beziehung fast unlösbaren Problematik des deutschen Widerstandes bewußt („The problems posed by an analysis of the German Resistance Movement are unique in scope, in structure, in ideological significance, and in solution“). Schon im ersten Kapitel, „German Fight against Hitler“, in dem sie sich mit den verschiedenen Richtungen und Gruppen innerhalb des deutschen Widerstandes befaßt, erweist sie sich als mit der Stimmung des deutschen Volkes und deren Wandlung allein vom Beginn des nationalsozialistischen Regimes bis zum Ausbruch des Krieges sehr vertraut. Beim Abschnitt „Resistance to tyranny“, der das Widerstandsrecht nach der Lehre der katholischen Kirche ausführlich behandelt, kann sich die Verf.