Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez

Österreich 583 von 1844 bis 1857 gerichtet, die hauptsächlich über eine Staatsanleihe des für seine finanzielle Tüchtigkeit berühmten Koburgers handeln. Die auf Auktionen erworbenen Briefe bilden den letzten Teil der Sammlung des Kunsthändlers. Sie allein sind zum Großteil unversehrt geblieben. Das Sammeln von Autographen hat Gauchez sicher nur nebenbei betrieben, wenn die vorhandenen Briefe nicht nur den Rest einer einst viel größeren Sammlung darstellen. Die Anzahl ist nicht groß, Gauchez legte aber offensichtlich Wert auf den Inhalt der einzelnen Stücke. Viele der vorhandenen Autographen sind entweder an bekannte Personen gerichtet oder sagen Interessantes über den Briefschreiber aus. Das Sammlungs­gebiet von Gauchez entspricht ziemlich genau dem Programm der Zeit­schrift „L’Art“, Maler und Bildhauer, berühmte Schriftsteller, Schauspie­ler und vor allem Musiker. Das Interesse von Gauchez für Autographen wird dadurch bewiesen, daß er selbst in der „L’Art“ mehrere über Auto­graphensammlungen erschienene Werke besprochen hat29). Unter den Künstlerbriefen sind besonders sieben Autographen von Jacques-Louis David zu nennen. Meist sind es Ehrungen, mit denen sich David in ihnen beschäftigt, die Ausstellung seines Gemäldes „Die Sabine­rinnen“ in einer mit „Liberté-Egalité“ überschriebenen Eingabe von 1800, der Dank für die Verleihung der Ehrenlegion an den Innenminister Lacé- péde von 1803, über seine mit der Ernennung zum ersten Hofmaler Napo­leons vei'bundenen Rechte an den Generalintendanten des kaiserlichen Hof­staates 1810. Aus der Zeit seiner Verbannung in Brüssel — David gehörte zu denen, die für den Tod Ludwigs XVI. gestimmt hatten — ist ein zwei Monate vor seinem Tod an seine Frau gerichtetes Schreiben mit Zukunfts­plänen und Hoffnungen auf baldige Rückkehr nach Frankreich vorhanden. Von Jean Ingres stammt eine interessante Eingabe an Adolphe Thiers als Innenminister. Ingres war von der Akademie als Direktor der Ecole des Beaux Arts in Rom an erster Stelle nominiert worden. Wegen der langen Verzögerung der Erledigung zieht er nun sein Gesuch zurück30). Das Schreiben trägt den Vermerk, daß er sechs Tage später zum Direktor ernannt wurde. Ein Brief des alten Ingres verteidigt das Institut gegen die Neuerer31)- Weiters wären Briefe von Malern, wie Eugene Delacroix, Paul Delaroche, Madame Vigée-Lebrun, Antoine-Jean Gros, Carle und Horace Vernet, und Bildhauern, darunter eine Quittung über 1000 Livres von Augustin Pajou an Madame Dubarry32), zu erwähnen. Unter den Schauspielern sind Mademoiselle Antonine, die Tragödin Elise Félix, genannt Rachel, mit drei Briefen und Pauline-Virginie Dejazet mit sechs Autographen zu nennen, vor allem aber Sarah Bernhardt, die welt­berühmte Tragödin. Ihren Ruhm unter den Zeitgenossen konnten nicht 2°) „L’Art“, Jg. 1887/11, S. 117, und 1888/11, S. 199. 30) Vom 30. VI 1834: „... je me sens blessé dans ma dignité d’artiste, je viens vous annoncer que je renonce & ma Candidature que j’ai sollicitée; et le titre de Directeur de TEcole de Rome qui eut fait mon bonheur et ma gloire, ne peut plus me convenir, puis qu’il paraitrait m’étre accordé maintenant comme une grace.“ 31) Vom 8. VII. 1862: „Notre cause est juste. C’est contre celle de la barbarie, le mauvais goüt et l’infernal plaisir de mal faire.“ 32) Vom 10. IX. 1776.

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