Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez
Österreich 579 Kunstgewerbe, Musik und Schauspielkunst“. Der Kreis der in der Zeitschrift, besonders in den „Salons“, den Ausstellungsberichten, erwähnten und besprochenen Künstler entspricht ziemlich den erhaltenen Künstlerbriefen. In ihm offenbart sich die konservative, auf den Publikumsgeschmack ausgerichtete Haltung der „L’Art“. Es fehlen die wirklich Großen unter den Malern, alle Impressionisten, Renoir, Degas und Gauguin. An ihrer Stelle stehen Namen, die uns heute kaum etwas sagen, wie Meissonier, Casanova y Estorach, der „Katzenraffael“ Eugene Lambert, der Schlachtenmaler Alphonse de Neuville und viele andere. Zwei Briefe von Rudolf von Alt an die Redaktion der „L’Art“ über die Ausstellung eines seiner Bilder in Paris zeigen die internationale Anerkennung, die der liebenswürdige Wiener Künstler gefunden hat17). Eine glücklichere Hand bewies die Zeitschrift und mit ihr Gauchez in der Auswahl der Bildhauer. Neben Briefen von Rodin und Dalou, auf die noch eingegangen werden soll, können Antoine-Louis und Alfred Barye, Jean-Baptiste Carpeaux und Louis-Oscar Roty aus der großen Zahl der Künstler hervorgehoben werden. Zahlreicher und ergiebiger als die Künstlerkorrespondenzen, die sich meist auf die Übermittlung von Daten und Dank für lobende Erwähnungen beschränken, sind die Briefe der literarischen Mitarbeiter der „L’Art“, von Kunsthistorikern, Theaterkritikern und Historikern. Zu nennen wären hier vor allem Briefe von Edmond de Goncourt, wegen ihrer großen Zahl die des Radierers und Schriftstellers Philippe Burty, der sich besonders mit ostasiatischer Kunst beschäftigte — von ihm sind 68 Briefe vorhanden —, ferner von Jules-Marie Guiffrey, von dem auch zwei Manuskripte erhalten sind, schließlich von Roger Marx und Emile Michel. Der „Courrier de l’Art“ mit seinen zahlreichen Berichten von auswärtigen Museen machte auch Verbindungen mit Museums- und Galeriedirektoren notwendig. Von ihnen sei nur Etienne Arago, der Direktor des Luxembourg-Museums, von dem fünfzehn Briefe vorhanden sind, genannt. Daß sich die Zeitschrift auch bemühte, ausländische Mitarbeiter zu gewinnen, zeigt ein Aufsatz Albert Ilgs über den Einfluß Frankreichs auf die romanische Kunst in Österreich18 *). Den Versuch, auch Dichter für die Mitarbeit an der „L’Art“ heranzuziehen, beweisen Autographen von Paul Bourget, José-Marie de Heredia, Charles Leconte de L’Isle und der beiden Nobelpreisträger Romain Rolland und Sully-Prudhomme. Als Beispiel für den Inhalt dieser Korrespondenzen soll nur auf die Briefe Rodins und Dalous an Gauchez näher eingegangen werden. Sie zeigen Gauchez’ Mittelstellung zwischen dem Kunsthändler und dem Herausgeber einer für die Publizität der zeitgenössischen Künstler wertvollen Zeitschrift. Von Auguste Rodin sind 36 Briefe und Brieffragmente aus den Jahren 1882 bis 1895 erhalten, wohl die wertvollsten der nicht gekauften Autographen der Sammlung. Unter ihnen befindet sich eine Quittung für 6000 Francs, die Rodin für eine Marmorgruppe im Jahr 1886 von Baron Alphonse de Rothschild erhalten hat. Gauchez war also auch der Kunst17) Briefe von 1879 V 5 und V 15. «) L’Art 1882, Band II. 37*