Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
SPRUNCK, Alphonse: Vizekanzler Johann Philipp von Cobenzl und der belgische Aufstand von 1790 nach seinen Berichten an Kaunitz
50 Alphonse Sprunck der Bitte gewandt, ihm in den nächsten Wochen eine halbe Million Wiener Gulden durch seinen Bevollmächtigten Gontard nach Luxemburg überbrin- gen zu lassen. Falls diese Bank über kaiserliche Gelder verfügte, sollte sie diese nicht nach Wien, sondern nach Luxemburg senden. Cobenzl selbst zweifelte, ob er diesen Plan ausführen könnte; auf jeden Fall aber sollte ihn der Staatskanzler der Finanzkammer und dem Kriegsrat mitteilen. Ebenso wenig konnte er vermuten, welche Antwort er auf eine Bitte an den Kurfürsten von Köln erlangen würde. Da die Wiener Regierung sicherlich über einige Gelder in Holland verfügte, sollte Kaunitz ihm von dort Hilfe verschaffen. Über das Schicksal von Trauttmansdorff und d’Alton hatte Cobenzl noch gar nichts erfahren. Da das Wetter sehr schlecht war, konnte er von Polch erst in den frühen Morgenstunden des 16. Dezember nach Luxemburg abreisen. Dort langte er am Abend des 17. an. Gleich sandte er an Kaunitz einen ganz kurzen Bericht von Trauttmansdorff; einen längeren Brief, den dieser am 15. an den Vizekanzler abgesandt hatte, hatte er noch gar nicht erhalten. Am folgenden Tag meldete er Kaunitz, seine Auskünfte seien zwar unbestimmt, doch könne er die Lage in Belgien als verzweifelt ansehen. Über d’Alton und dessen Niederlage in Brüssel hatte er auch keine Nachricht bekommen, doch hatte dieser Bender mitgeteilt, seine Truppen seien auf dem Rückzug nach Luxemburg, deshalb solle dieser für Brot und Futtermittel in den Ortschaften an den beiden Straßen zwischen Namur und dieser Stadt sorgen. Über die Zahl seiner Soldaten, die Gründe ihres Rückzuges aus der Provinz Namur und seine weiteren Pläne hatte d’Alton nichts gemeldet. Cobenzl wollte ihn am selben Tage um Auskunft darüber bitten und ihm mitteilen, die Lebensmittelvorräte in der Festung Luxemburg seien ganz ungenügend; da auch die Grenzen dieser Provinz nicht geschützt seien, könnte eine Besetzung durch die Brabanter Rebellen ihre bisher kaisertreuen Einwohner bestimmen, sich diesen anzuschließen. Die großen Anstrengungen ihrer Stände zur Versorgung der Truppen hatten nur zu ungenügenden Ergebnissen geführt. Da ihre Provinzkasse erschöpft war, hatte ihn der Ausschuß der Stände um eine Unterstützung von 14.000 Gulden aus der kaiserlichen Kasse gebeten; davon hatte er ihnen gleich nur 8000 auszahlen lassen und versprochen, den Rest in 14 Tagen zu überweisen. Die Stände hatten in Holland Getreide angekauft, aber dieses konnte frühestens in zwei Monaten in Luxemburg anlangen, falls die Flüsse zufrieren würden. Weil die Brabanter Rebellen alle Briefe nach Luxemburg abfingen, verfügten auch die dorthin geflüchteten Mitglieder der Regierung über keine genauen Nachrichten aus Brüssel. Einige Briefe aus dem Hennegau meldeten von einem Gerücht, französische Regimenter seien auf dem Vormarsch nach Bavay. Die Zeitung der Pariser Nationalversammlung berichtete, Ludwig XVI. habe sich geweigert, einen Aufruf des Rebellenführers van der Noot zu lesen, den ein Bevollmächtigter des Brabanter