Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

KRAMER, Hans: Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient während des ersten Weltkrieges. Nach neu gefundenen Akten

Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient 519 der Kurie, in der heiklen Angelegenheit Stellung nehmen zu müssen. Er, Endrici, werde wegen seiner entgegenkommenden Haltung später milder eingeschätzt werden. Die Verhandlungskunst von Csiszárik scheiterte an der festen Haltung Endricis. Er werde auf keinen Fall demissionieren. Die Diözese werde durch den Generalvikar Eccheli gut verwaltet. Er, Endrici, sei sich seines guten Rechtes wohl bewußt. Er habe seinen Fall dem Papst dargestellt. Er habe den Papst sogar darum gebeten, gegen ihn ein kanonisches Verfahren einzuleiten; dieses werde alles aufzeigen; es könne ihm keine Schuld nachgewiesen werden. Er werde seine Rechte auf das äußerste verteidigen. Er sei ein Opfer des josefinischen Systems. Endrici sprach kein Wort mehr darüber, daß er innerlich schon an den Sieg Italiens und an den Übergang des Trentino an Italien fest glaubte. Man könne ihn, Endrici, vernichten, aber nicht demütigen. Er sagte: „Frangar, sed non flectar!“ Als Csiszárik erwiderte, daß die Kurie ja oft Bischöfen nicht aus kanonischen, sondern aus administrativen Rücksich­ten und aus opportunitären Motiven die Abdikation nahegelegt habe, half auch dies nichts. Endrici ließ keinen Einwand gelten. Er sagte, daß er es bedauere, daß sich ein Priester, eben Csiszárik, gefunden habe, der so etwas vorschlage. Letzterer erwiderte, daß er aus ganz selbstlosen Motiven diesen Schritt unternommen habe. Er bedauere es, daß seine guten Absichten bei Endrici so wenig Verständnis gefunden hätten. Schließlich riet Csiszárik dazu, daß man auf dem Umweg über die Bot­schaft beim Hl. Stuhl es erreiche, daß der Papst Endrici den väterlichen •Rat gebe, auf seine Diözese freiwillig zu verzichten70). Kaiser Karl I. sandte seinen Vertrauensmann, den Vorarlberger Weih­bischof Dr. Sigmund Waitz (viel später Erzbischof von Salzburg), einen gebürtigen Tiroler, zu Endrici nach Heiligenkreuz, um irgend etwas zu erreichen. Letzterer soll nur mehr in seinem italienischen Akzent gesagt haben: „Zu spät!“ 71). Nach Zanolini kam Kardinalfürsterzbischof D r. P i f f 1 von Wien am 28. September 1917 als Abgesandter Kaiser Karls zu Endrici, um ihn zu bewegen, seine Diözese abzugeben. Piffl brachte es an, daß die Deutschtiroler im deutschen Anteil der Diözese Trient Abneigung gegen ihn, Endrici, hegten, daß er ein Förderer des Partito Po- polare war, der den italienisch-nationalen Gedanken so gepflegt habe (letz­teres war nur z. T. richtig). Der Kaiser schätze sonst ihn, Endrici, als integren Priester; er biete ihm bei einer Konzession den Rang eines Kaiserlichen "Rates an. Der Trienter Bischof lehnte alle Vorschläge Piffls ab72). * 7 7») Zanolini, S. 169 f. Baron Musulin (Min.Äuß.) an Hussarek v. 14. Juli 1916. Inneramtl. Notiz Min.Äuß. v. 20. Juli 1916. Bericht Csiszáriks v. 14. Juli 1916. Derselbe pro domo v. 19. Aug. 1917. Graf Pálffy v. d. öst.-ung. Botschaft beim Hl. Stuhl in Bern an Csiszárik v. 26. Juli 1916. Csiszárik an Pálffy v. 1. Aug. 1916. (Staatsarch.) 77) Frdl. Mitteilung von H. Stadtpropst Dr. Heinz Huber — Innsbruck. 72) Zanolini, S. 196 f.

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