Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

38 Anna Coreth werde und ihm helfen werde, Ihn zu lieben und Ihm mit aufrichtigem Herzen zu dienen. Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten, in die P. Gabriel in Spanien geraten ist, schreibt er am 11. Juli 1693 er danke Gott dafür, daß er von allem losgelöst und in der Einsamkeit sei, um nur an seine Seele zu denken und auf diese Weise werde er immer zufriedener. . .. Nach den oben zitier­ten Ausrufen über die arme Christenheit heißt es, er selbst würde, um nicht in die Gelegenheit zu kommen, je auch nur in geringer Weise Gott zu beleidigen und um nicht Zeuge von großer Not, Süinde und von Bösem zu sein, den Tod vorziehen und Gott möge ihm in Seiner Barmherzigkeit helfen und ihm die Gnade geben, immer ganz Seinem heiligsten Willen vereint zu sein. Anlaß zu solchen Bemerkungen wurde auch die Nachricht, daß P. Hip­polytus von Pergine, ein Franziskaner, der ebenfalls unter die geistlichen Berater Leopolds I. gezählt hatte, aber so ungern bei Hofe lebte, daß er seinen Oberen einmal durchzugehen drohte, wenn er nicht abberufen würde40), nun den Wiener Hof habe verlassen müssen: II P. Ippolito Francescano ha dovuto partire dalia Corte Cesarea, ma senza avamtaggio — wegen Unstimmigkeiten und in Ungnade41). Er aber, Marco, höre nicht auf, Gott zu danken, daß er ihm die Erleuchtung gegeben habe, vom Hofe wegzugehen; und er werde immer mehr darin bestärkt, ganz zurückgezogen zu leben, da die Bosheit der Politik und Gewinnsucht im höchsten Maße raffiniert geworden sei; und in einer Christenheit, die durch ein Leben voll Schmeichelei und Verstellung verdorben sei, — wer könnte da nicht Gefahr laufen, sich zu verirren. Gar nicht mehr bin ich von dieser Welt, ganz Gott allein gehöre ich. Und wieder am 30. 1694: er wolle nur mehr der Pflege seiner Seele leben und sich auf den Tod vorbereiten; die Welt möge gehen, wie sie wolle, er wolle nichts wissen und im Nichts leben und sterben42). Über das äußere Leben des Paters Marco ist dem Schreiben nicht mehr zu entnehmen, als einzelne Anhaltspunkte. Ich erwähnte oben, daß er sich auf der Rückreise von Wien im August 1692 in Neuburg auf­gehalten hatte, begleitet von seinem Mitbruder P. Cosmo von Castelfranco, der beständig als sein Helfer ihm zur Seite blieb. Er wird in der Korre­spondenz sehr häufig erwähnt. Vom 2. Oktober ab sind die Schreiben aus Vinceza datiert, wo Marcus den Herbst über blieb, während er sich gegen Jahresende in Padua und Venedig einfand43). 40) Heyret, Bi-iefwechsel II, S. 290, 296. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien, besitzt seine Korrespondenz mit dem Kaiser (Familienkorrespondenz A, Kart. 12, 13). 41) Brief vom 16. November 1693. (Irrtümlsich „Inppolito“.) 42) vivere e murire nel niente. 43) Ein Brief an den Kaiser vom 27. Dezember ist aus Padua (Klopp, S. 232, Nr. 252), einer an P. Gabriel vom folgenden Tag ist aus Venedig datiert.

Next

/
Thumbnails
Contents