Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)

Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 29 Kurfürstin Elisabeth in sehr betrübter Stimmung angetroffen: seit zwei Jahren Witwe, hat sie nun auch ihren Beichtvater P. Gabriel, der ihre Stütze gewesen war, verloren — sie ist seiner beraubt worden, heißt es in dem Brief —, und da er nun der Beichtvater ihrer Tochter sei, der sie ihn nicht entreißen könnte, habe sie keinerlei Hoffnung, ihn wiederzusehen 14a'). Auch sonst sei sie von schweren Heimsuchungen bedrückt16) und habe niemanden, um sich ihm anzuvertrauen. Die Art der Heimsuchungen kann nach einem weiteren Brief vom 2. Oktober, in dem Marco von seinem Kloster in Vicenza aus wieder auf das Thema zurückkommt, als eine Intriguenangelegenheit gedeutet werden. Die Fürstin sei bedrängt gewesen durch Dinge, die P. Gabriel wissen werde, und es sei gut, daß dieser jetzt nicht in Neuburg gewesen sei, sonst wäre er in ein arges Unglück hineingeraten. Gott sei seiner Aufrichtigkeit und Güte zu Hilfe gekommen. Und nochmals in einem Brief vom 2. Novem­ber heißt es, P. Marco habe in Neuburg getrachtet, die Kurfürstin zu trösten und ihr geraten, zu schweigen, weder beleidigt zu sein, noch sich beleidigt zu zeigen. Auch habe er dem Kurfürsten von der Pfalz geschrie­ben, um die Fürstin zu rechtfertigen und dieser habe versprochen, sich zu bemühen, die Mutter aufzurichten und zu trösten153). In der weiteren Brieffolge dürften auch Anspielungen auf kirchliche Meinungsverschiedenheiten mitgeklungen haben, etwa, wenn es in einem Brief vom 1. April 1693 heißt, P. Pontifeser könne sich nicht vorstellen, in welchen Sorgen die Kurfürstin und ihr Sohn Prinz Alexander, Bischof von Augsburg, sich befänden — per cause — es folgt ein Zeichen, das offenbar eine Chiffer bedeutet. Und auch jetzt wieder betont Mar­cus die Wichtigkeit des Schweigens und den Segen, den P. Gabriel durch seine Abwesenheit gehabt hätte. In einem Brief, den Fürst­bischof Alexander an P. Gabriel kurz vor dessen Spanienreise geschrieben hatte, und ihm darin zum Vorwurf gemacht hatte, daß er die alte Kur­fürstin verlasse, heißt es: Es ist halt wahr, daß die Jesuiter ihne P. Gabriel gerne fort hätten und die dieser Intrigues unwissende Königin sub specie boni also inducieren und betrügen wollen 16). Wenn auch die Wahrheit die­ser Behauptung nicht nachgewiesen ist, so steht doch fest, daß der Jesuiten- * 15 14a) Die Stimmung der Kurfürstin spiegelt auch deren Briefwechsel mit P. Gabriel wieder (Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Familienkorrespondenz A, Kart. 50). Sie schreibt am 21. August 1692 aus Neuburg: ach, E. W., wie hart michs ankompt, daß ich E. W. lassen muß, kenen sich E. W. wohl einbilten, wie ich geweint hab undt da ich E. W. anmeisten von nöten hab; P. Marco ist eben zue mier herr körnen, so mich getrost undt mindt, E. W. sollen wieder bey mich comen, ach Gott, es kan nicht sein, habs Gott mit trenen aufgeopffert, daß er mier wohl beystehen, miner lieben königin gönn ich gern den trost ... 15) Anco si trova opressa d’altri gravi afflittioni ... 15a) Vgl. näheres im Brief der Kurfürstin an P. Gabriel vom 27. Nov. 1692. 15) 12. März 1692. Vgl. Hohenegger, Bd. 1, S. 719.

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