Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

BENNA, Anna Hedwig: Das Kaisertum Österreich und die römische Liturgie

136 Anna Hedwig- Benna nium paschale 96) und in der Allerheiligenlitanei am Karsamstag97). Damit war der Kaiser von Österreich in den Besitz der gleichen liturgischen Ehrenrechte wie der Kaiser der Franzosen gekommen. Diese Rechte blieben bis zum Sturz des Kaisertums in Frankreich 1870 und in Österreich- Ungarn 1918 in Übung. Wir haben gesehen, wie die Schaffung des Kaisertums Österreich — ge­boren aus dem Gleichgewichtsstreben der europäischen Großen Mächte — den dynastischen Prozeß der Staatsbildung der Erblande des Hauses Öster­reich abschloß. Daran hat auch der Ausgleich, der die Eigenständigkeit der Länder der Ungarischen Krone unterstrich, nichts geändert; die Gesamt­heit der Königreiche und Länder, der politisch-historischen Individuali­täten, trat nach außen hin kraft der pragmatischen und paktiert gemein­samen Angelegenheiten als Ganzes in Erscheinung. Hinsichtlich der Ent­lehnung von Symbolen und Sollemnitäten des mittelalterlichen Römischen Kaisertums blieb Österreich hinter Frankreich zurück. Obwohl die mittel­alterliche Geschichtstheologie, die Lehre von der Translation der Reiche und das mit dem Römischen Kaisertum verbundene eschatologische Ge­schichtsdenken um 1800 tot waren, bediente sich die napoleonische Dynastie doch der in einem Jahrtausend europäischer Geschichte ausgebildeten Formen des Herrschaftsantrittes. Der Kaiser von Österreich hat dagegen von vornherein auf eine sakrale Initiation verzichtet. Hinsichtlich des Kaisergebetes war das französische Beispiel maßgebend, wenn auch die traditionellen Grundlagen des Herrschergebetes der mariatheresianischen Zeit unverkennbar sind. So hat denn diese Untersuchung zu zeigen ge­sucht, daß Formen mittelalterlicher Herrschafts- und Staatssymbolik in erstarrter Form bis zum Ende der alteuropäischen Monarchie lebendig geblieben sind. imperium, ut et imperator juste imperando, et populus fideliter obediendo ad gloriam tui nominis et regni tranquillitatem unanimi pietate conspirent. Per Dominum . . . (Ebenda). 96) 3/IV. Praeconium paschale sabbatho sancto hac ratione concludetur. Pre­camur ergo te, Domine, ut nos famulos tuos omnemque clerum et devotissimum populum una cum beatissimo papa nostro N. et antistite nostro N. nec non gloriosissimo imperatore nostro N. quiete temporum concessa, in his paschalibus gaudiis assidua protectione regere, gubernare et conservare digneris. Per Domi­num ... (Ebenda). 97) J/5. In litaniis sanctorum cum deventum fuerit ad preces, inter versi­culum. Ut inimicos sanctae ecclesiae etc. et alium ut regibus et principibus etc. addetur V. Ut imperatorem nostrum custodire digneris. R. Te rogamus audi nos. Item post psalmum Deus in adjutorium etc. dicto versiculo: Oremus pro ponti­fice nostro N. R. Dominus conservet etc. illic subjungetur. V. Oremus pro im­peratore nostro N. R. Domine salvum fac imperatorem et exaudi nos in die, qua invocaverimus te. Denique absolutis precibus immediate post orationem pro papa adjicietur Oratio pro imperatore superius notata: Quaesumus omnipotens Deus, ut famulus tuus N. imperator etc. (Ebenda).

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